HAUPTARTIKEL Die blockierte Vollendung der Europ�ischen W�hrungsunion: Pl�doyer f�r eine pragmatische Nutzung von fiskalischen Handlungsspielr�umen Daniel Seikel, Achim Truger 1. Problemstellung Die Beruhigung der akuten schweren �konomischen Krise des Euro- raums seit etwa 2015 gelang letztlich nur durch verzweifelte Notoperatio- nen: Die geldpolitische Wende der EZB unter Mario Draghi mit der �ffent- lich bekundeten Bereitschaft, alles zur Rettung des Euro zu tun, und die fiskalpolitische Wende unter Jean-Claude Juncker, dessen gro�z�gigere Auslegung des fiskalischen Regelwerks eine Milderung der makro�kono- misch dysfunktionalen Austerit�tspolitik in den Krisenstaaten erm�glichte, kamen gerade noch rechtzeitig, um ein Ende der Gemeinschaftsw�hrung zu verhindern. Seither schien auf europ�ischer Ebene fast �berall Einig- keit zu bestehen, dass das noch bestehende Zeitfenster f�r mehr oder we- niger weitreichende Reformen der Euroraum-Governance genutzt werden m�sse, um den Euroraum f�r zuk�nftige Krisen widerstandsf�higer zu ma- chen. In diesem Sinne sah schon der F�nf-Pr�sidenten-Bericht1 relativ weitreichende Reformma�nahmen zur Vollendung der W�hrungsunion vor.2 Die fundamentalen Interessengegens�tze zwischen den Mitglied- staaten der W�hrungsunion haben jedoch entsprechende Reformen bis- lang unm�glich gemacht. Dazu trug die auf die Fl�chtlingskrise folgende politische Krise ihren Teil bei. Die Wahl von Emmanuel Macron zum franz�sischen Pr�sidenten verlieh den Diskussionen �ber die Weiterentwicklung der W�hrungsunion aller- dings neuen Schwung. Kern seiner Vision war ein gro�es Eurozonen-Bud- get, das ein Volumen von 3 bis 4% des Bruttoinlandsprodukts der Euro- zone haben sollte. Verantwortlich f�r das Budget sollten ein eigenes Euro- zonen-Parlament und ein europ�ischer Finanzminister sein. Das Budget 43 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft