2010 ausgesetzt hätte, allen Mitgliedstaaten im Rahmen der präventiven Komponente des SWP erhebliche Spielräume eröffnet hätte. Italien, Lu- xemburg, die Niederlande, Österreich und Finnland hätten ihr mittelfristi- ges Haushaltsziel 2015 bereits erreicht und hätten entsprechende Spiel- räume für expansive Maßnahmen gehabt. Schließlich hätten die stark negativen Produktionslücken auch einen dringenden fiskalpolitischen Handlungsbedarf für die Länder im Verfahren wegen eines übermäßigen Defizits angezeigt. Für die Eurozone insgesamt hätte die Produktionslü- cke –6,7% anstatt –1,7% des BIP betragen. Dadurch hätte die Inan- spruchnahme der Ausnahmeregelungen des SWP leicht gerechtfertigt werden können, und die Fiskalpolitik hätte – auch vor 2015 schon – viel weniger restriktiv ausfallen müssen.40 Der stabilisierende expansive Effekt der skizzierten Maßnahmen wäre makroökonomisch sehr erheblich. Multiplikatorgestützte Simulationsrech- nungen legen nahe, dass eine Aufstockung der öffentlichen Nettoinvesti- tionen in der EWU-12 auf 1,5% des BIP von 2016 bis 2020 in Kombination mit der dabei zu erwartenden Aufwärtsrevision des potenziellen BIP zu einem positiven fiskalischen Impuls von 2,6% des BIP und einer Steige- rung des realen BIP um 3,5% hätte führen können.41 Unter Berücksichti- gung der positiven Rückkopplungen zwischen den Mitgliedstaaten ergibt sich bis 2020 sogar ein positiver fiskalischer Impuls von 3% des BIP und eine Steigerung des realen BIP um über 5%.42 Diese Ergebnisse verdeutli- chen das sehr hohe makroökonomische Potenzial einer pragmatischen Strategie der Erhöhung von öffentlichen Investitionen und der Revision der Konjunkturbereinigung, das geeignet erscheint, den Euroraum im Kri- senfall tatsächlich zu stabilisieren. 5. Fazit In diesem Aufsatz haben wir zunächst aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht allgemeine Anforderungen für eine Stabilisierung der Währungs- union herausgearbeitet. Dabei haben wir verdeutlicht, dass diese vom Er- gebnis her gedachten Anforderungen im Prinzip sowohl durch weitrei- chende institutionelle Reformen als auch durch eher technische Anpas- sungen bei der Operationalisierung der Fiskalregeln erfüllt werden können. Zudem präjudizieren die geforderten Veränderungen keine Festlegung auf eine bestimmte Anordnung von nationalen und supranationalen Kom- petenzen und Institutionen. Anschließend haben wir aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive gezeigt, dass die Interessenunterschiede zwischen den Euroländern ehr- geizige Reformprojekte blockieren. Ausgehend von diesem Befund haben wir nach funktionalen Äquivalenten zu einer vollkonstitutionalisierten Fis- 60 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1