Ein wenig Saldenmechanik Für die Volkswirtschaft als Ganzes, für ihre Sektoren wie auch für jeden einzelnen Bürger gilt, dass die Differenz von Einnahmen und (Gesamt-) Ausgaben identisch mit dem jeweiligen (Netto-)Sparen (Finanzierungssal- do) sein muss. Dieser wiederum entspricht zwangsläufig dem Zuwachs an Finanzanlagen abzüglich der zusätzlichen Verschuldung. Dabei ist zu be- achten, dass die (Gesamt-)Ausgaben in der Finanzierungsrechung nicht bloß die laufenden Ausgaben, sondern auch diejenigen für Anschaffungen (Investitionen, dauerhafte Güter) enthalten. „Sparen“ beschränkt sich in der Finanzierungsrechnung somit auf das finanzielle Sparen. In diesem Sinn haben die Haushalte in der Regel Ausgabenüberschüsse (finanzielle Netto-Ersparnisse = positive Finanzierungssalden) und die Firmen als Folge der (teilweisen) Außenfinanzierung ihrer Investitionen Ausgabende- fizite (Netto-Verschuldung). Öffentliche Hand und Ausland können sowohl positive wie negative Finanzierungssalden aufweisen. Anders als für den Einzelnen muss der Finanzierungssaldo für die gesamte Volkswirtschaft (also die Summe der Sektorsalden einschließlich Ausland) null sein. Wich- tig ist zu beachten, dass es sich dabei um trivial-arithmetische Beziehun- gen handelt, die (ex post) zwangsläufig gelten. Das bedeutet jedoch kei- neswegs, dass die jeweiligen Spar- und Verschuldungspläne der Akteure übereinstimmen (müssen) – sie stimmen üblicherweise nicht überein! Die Relevanz der folgenden Überlegungen liegt in der Klarlegung der (vielfach übersehenen) Mechanismen, welche die divergierenden Pläne der Akteu- re letztlich – freiwillig oder gezwungenermaßen – zu der unvermeidlichen trivial-arithmetischen Konsistenz bringen. Zur Terminologie Nicht bloß die Alltagssprache bezeichnet mit „Schulden“ vielfach sowohl die Aufnahme von Schulden (eine Stromgröße) als auch das Niveau der Verschul- dung (eine Bestandsgröße). Ebenso kann „Sparen“ den jährlichen Konsumver- zicht (Strom) als auch den Bestand an Ersparnissen bezeichnen. Weiters wird mit „Sparen“ sowohl die Bildung von Finanz- als auch von Realvermögen be- zeichnet. Schließlich ist bei allen Aggregaten zwischen Brutto- und Nettogrö- ßen zu unterscheiden, wobei „netto“ jeweils abzüglich Schulden bedeutet. Da- raus ergibt sich die in dieser Arbeit verwendete Terminologie: Jährliche Ströme Bestände Einnahmen – – Ausgaben (laufende + Investitionen) – . = Finanzierungssaldo (fin. Netto-Sparen/-verschuldung) Netto-Finanzvermögen ? (Brutto-)Forderungen Brutto-Finanzvermögen – ? Verbindlichkeiten (Verschuldung) – Schuldenniveau 69 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft