zum Teil kompensiert – Sparen ist eben ein „Luxusgut“. Die Unternehmen zu steigender Verschuldung zu motivieren, ist problematisch, gelingt höchstens in Hochkonjunkturphasen und wirkt dann prozyklisch. Eine hö- here Verschuldung der öffentlichen Hand ist hingegen dann unproblema- tisch, wenn im Weg der Verschuldung Werte geschaffen werden, die fi- nanzielle oder soziale Erträge abwerfen. Insofern kann bei Inkonsistenz der Sparpläne in einer Volkswirtschaft der Staat am ehesten als „debtor of last resort“ fungieren. Daraus darf allerdings kein Plädoyer für unbegrenz- te Staatsverschuldung abgeleitet werden. Allzuoft wurde die Staatsschuld bedenkenlos-mutwillig ausgeweitet. Vor der Ära der Schuldengrenzen be- grenzte man die Ausgabenlust der Politik vielfach durch die sogenannte Goldene Regel: Zusätzliche Verschuldung wurde auf den Wert der zusätz- lichen Investitionen beschränkt. Dabei hatte man primär die materiellen In- vestitionen im Sinn. In unserer Zeit der zunehmenden Bedeutung immate- rieller Investitionen wird man den Begriff weiter fassen müssen. Dabei mag es Grenzfälle und Versuche wie Tricks der Grenzüberschreitung geben. Die eventuellen Nachteile wären jedoch erheblich kleiner als die der heute üblichen mechanischen Schuldengrenzen. Anmerkungen 1 So etwa erscheint die geplante Ausweitung des italienischen Budgetdefizits weniger wegen des relativ hohen Schuldenstands bedenklich, sondern vielmehr, weil sie nicht strukturverbesserenden Investitionen, sondern dem Konsum zugutekommt; siehe dazu Subacci (2018). 2 Bei der zahlenmäßigen Implementierung kann es natürlich zu statistischen Differenzen kommen. 3 Eine noch besseres – allerdings fernliegendes – Beispiel ist China: Seine extrem hohe private Sparneigung zwingt zu steigender Staats- und Auslandsverschuldung (Export- überschuss). 4 In der Literatur wird dieses Thema unter den Schlagworten „savings glut“ (Bernanke 2007; Bernanke et al. 2011 bzw. Weizsäcker 2011a, b) behandelt. Die gegenwärtige Kon- stellation entspricht allerdings – wie noch gezeigt wird – eher einem „investment shortfall“. 5 Die neueren protektionistischen Tendenzen – generell, wie im Besonderen die jüngsten Exzesse des amerikanischen Präsidenten – können als Vorboten für entsprechende Reaktionen gewertet werden. 6 Diese Darstellung wurde gewählt, weil die stärkere Fluktuation der Reihen in den Finanzkonten die Darstellung unübersichtlich gemacht hätte. Die Aussage wird dadurch nicht verändert. 7 Für den einzelnen Kleinsparer ist der Konsumverzicht zumeist temporär, er spart übli- cherweise auf Anschaffungen an. Schon für Großvermögen gilt das nicht, und erst recht nicht für die Gesamtwirtschaft: Wie Abbildung 1 zeigt, nimmt die Summe der Haushalts- ersparnisse kontinuierlich zu, sodass der „Konsumverzicht“ im Aggregat dauerhaft ist. 8 Die öffentliche Diskussion geht davon aus, dass das gegenwärtige „Nullzins“-Niveau Folge der expansiven Politik der Europäischen Zentralbank (Quantitative Easing) ist. Das ist bestenfalls beschränkt richtig: Die Geldpolitik mag zum Zinsdruck beigetragen haben; die entscheidende Ursache ist jedoch der (welt- wie EU-weite) Sparüberschuss. 83 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft