Er wird nicht so rasch verschwinden (Tichy 2019b), und insofern werden die Zinsen wohl für absehbare Zeit niedrig bleiben. 9 Nach dem News Based Index (www.policyuncertainty.com/media/EPU_BBD_ Mar2016.pdf) war die Verunsicherung in Deutschland nach der Finanzkrise (2009- 2015) um die Hälfte höher als zuvor (1995-2008). 10 So schätzen die Deutschen etwa die Lage ihrer Wirtschaft als günstiger ein als die Österreicher und sind „mit dem Leben, das sie führen“, zufriedener. 11 Andererseits vertrauen sie Parlament, Regierung und Parteien mehr. 12 Ein Beispiel in der Tageszeitung „Kurier“ (11.7.2016): „750.000 Österreicher sind völlig überschuldet. Immer mehr Menschen gehen in den Privatkonkurs, 2015 waren es schon 8851. Viele scheitern an den Bedingungen und leben als U-Boot.“ 13 Europäische Zentralbank (2017). 14 Zum Teil ist das Folge der Wohnsituation: Im internationalen Vergleich wohnen weniger österreichische Haushalte in einem Eigenheim (48%, Wien sogar nur 18%) und die Hypothekarkredite sind zumeist gut abgesichert. In Österreich hat bloß jeder fünfte Haushalt unbesicherte Schulden, in Deutschland hingegen jeder dritte. 15 Altersspezifische Zusammenhänge sind entgegen der Lebenszyklushypothese kaum zu beobachten, sobald für das Einkommen kontrolliert wird. Mehr als die Hälfte spart „für Notsituationen“; vgl. Fessler und Schürz (2017) 21. 16 Fessler und Schürz (2017). 17 Das gilt nicht für die USA und noch weniger für China und die Schwellenländer, in denen die Unternehmensverschuldung stark gestiegen ist und die Qualität der Unternehmens- anleihen erheblich abgenommen hat (McKinsey 2018). 18 Die im S&P 500 enthaltenen Firmen haben 2001-2010 eigene Aktien im Wert von etwa 3 Bill. $ zurückgekauft (Lazonick 2013). In Europa sind Aktienrückkäufe zwar weniger stark verbreitet, doch wird geschätzt, dass die deutschen Kapitalgesellschaften dafür 2018 5,5 Mrd. A ausgeben; im Jahr der Finanzkrise 2008 waren es sogar fast 17 Mrd. A (Breinich-Schilly 2018). 19 Die privaten Investitionen sanken in Österreich sogar noch etwas stärker, da der Staats- anteil an den Investitionen von 2,8% vor der Finanzkrise (1995-2008) auf 3,1% danach (2009-2015) stieg; in Deutschland blieb er mit 2,2% unverändert. 20 Tichy (2019a). 21 Corrado et al. (2016); Thum-Thysen et al. (2017). 22 Sachverständigenrat (2017) 120ff. 23 Eurobarometer Herbst 2017, Frage QC2.5. 24 Fiskalrat (2016) 5. 25 In der Finanzierungsrechnung schlagen sich die Sanierungsausgaben offenbar im Pos- ten „unquoted shares“ nieder: Sein Anstieg um 38,7 Mrd. A im Zeitraum 2009-2015 ent- spricht etwa dem von Fiskalrat (2016, S. 5) angegebenen Netto-Kosten der Banksanie- rung von 35,8 Mrd. A; in den einzelnen Jahreswerten ist das allerdings nicht unmittelbar nachzuvollziehen. „Vor allem der Zeitpunkt der budgetären Verbuchung von Hilfsmaß- nahmen zur Restrukturierung der Bankensysteme gemäß ESVG 2010 kann von den tat- sächlichen Zahlungsströmen abweichen.“ (Fiskalrat 2016, S. 1) 26 Die Schuldenbremse soll die strukturelle, also nicht konjunkturbedingte, jährliche Netto- kreditaufnahme des Bundes mit maximal 0,35% des Bruttoinlandsproduktes begren- zen. Für die Länder wird die Nettokreditaufnahme ganz verboten. Ausnahmen sind bei Naturkatastrophen oder schweren Rezessionen gestattet. Eine Übergangsregelung sieht die erstmalige Anwendung der Neuregelungen für das Haushaltsjahr 2011 vor. Die Einhaltung der 0,35%-Grenze ist für den Bund ab dem Jahr 2016 zwingend vorgesehen, das Verbot der Nettokreditaufnahme der Länder tritt ab dem Jahr 2020 in Kraft. 28 Sachverständigenrat (2017) 66. 84 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1