Volkswirtschaft, weil nur im Rahmen der systemischen Kooperation zwi- schen Notenbank und Geschäftsbankenapparat die dezentrale Liquidi- tätsversorgung der Wirtschaft (Haushalte, Unternehmen, Institutionen) si- chergestellt werden kann. Denn im Bankensektor werden die Zahlungs- mittel hergestellt und mit Hilfe der Zentralbank in Umlauf gebracht, um im Wege des Zahlungsverkehrssystems die außergewöhnliche Menge von laufenden Zahlungsvorgängen bei maximaler Transaktionssicherheit zu bewältigen. Nicht von ungefähr wird die Bedeutung dieses monetären Komplexes mit der physiologischen Metapher des „Blutkreislaufs“ um- schrieben, weil die ausreichende Versorgung mit Liquidität eine Überle- bensfrage in einer arbeitsteiligen, marktorientierten Geldwirtschaft ist. Die Fragen des Geldsystems sind daher entscheidend für die Prosperi- tät und Stabilität der realwirtschaftlichen Wertschöpfungsprozesse. Dazu gehört auch die Frage, ob der systemische Zusammenhang zwischen Zentralbank und Geschäftsbankenapparat, der sich besonders aus der zahlungsverkehrsabhängigen Bewältigung der dezentralen Liquiditätsver- sorgung ergibt, nicht den Einsatz einer speziell qualifizierten Bankenauf- sicht rechtfertigt, die ihre Sonderaufgaben im organisatorischen Rahmen der Notenbank wahrnimmt – wie das im Übrigen als Teil der Bankenunion auf EWWEU-Ebene durch die systemrelevante Großbankenaufsicht bei der EZB bereits realisiert ist.3 Anhand eines kurz umrissenen analytischen Konzepts der arbeitsteiligen Geldwirtschaft soll im Folgenden unter be- sonderer Berücksichtigung der Bankenaufsicht dargestellt werden, wie die behördlichen Aufsichtsfunktionen nach sachlichen Kriterien entwi- ckelt werden könnten. Und warum die Bankenaufsicht aus funktionellen Überlegungen dem Aufgabengebiet der Notenbank zugeordnet werden sollte. 2. Technische Merkmale moderner Geldsysteme Die in entwickelten Volkswirtschaften vorherrschenden Geldsysteme werden als „zweistufige Teilreservesysteme“, manchmal auch als „fraktio- nale Reservesysteme“ tituliert. Diese Begriffe bezeichnen die operativen Hauptmerkmale souveräner Währungssysteme, bei denen der Staat prin- zipiell das Geldmonopol ausübt, das er aber in der Praxis des Zahlungs- verkehrs mit dem Geschäftsbankenapparat teilt. Organisatorische Träge- rin des staatlichen Geldmonopols ist die Zentralbank (Notenbank). Von ihr wird das Zentralbankgeld (auch Geldbasis genannt) hergestellt, das in Form von Banknoten und Reserven zirkuliert. Die Reserven sind die Gut- haben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank und fungieren als Zah- lungsmittel zwischen den Geschäftsbanken. Guthaben bei der Zentral- bank (also Reserven) können nur Geschäftsbanken unterhalten, die von 90 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1