Diese ist an zusammenhängende Funktionsbedingungen gebunden. Im Kreditvergabeprozess der Geschäftsbanken muss die Auswahl der Kredit- nehmer nach Bonitätskriterien erfolgen, die im Kreditportfolio die zyklisch schwankende Ausfallshäufigkeit der Kreditforderungen auf eine Bandbrei- te beschränkt, die in den stochastisch kalkulierten Risikokosten (Stan- dardrisikokosten, neusprachlich: „expected loss“) der Zinsberechnung Deckung findet. Dadurch kann der erwartete Aufwand aus Kreditausfällen (periodische Wertberichtigungen) im Nettozinsergebnis verdient (gedeckt) werden. Die laufenden Gewinne der Geschäftsbanken aus den Zinsspan- nen- und Dienstleistungserträgen nach Vollkosten (Liquiditäts-, Risiko- und Verwaltungskosten) sollten somit im Minimum eine ausreichende Rendite für den Kapitalbedarf erwirtschaften, den die regulatorische Kapi- talunterlegung für die „unerwarteten Ausfallsereignisse“ (neusprachlich: „unexpected loss“) über den Kapitalmarkt erfordert. Dadurch soll sicherge- stellt werden, dass die Iteration von Giralgeldschöpfung (Kreditvergabe) und Giralgeldvernichtung (Kredittilgung) in der Gesamtheit des Geschäfts- bankenapparats auf einen Kreis von KreditnehmerInnen angewendet wird, der gleichermaßen kreditwürdig wie schuldendienstfähig ist, sodass die zirkulierende Geldmenge als Nettonachfragegröße für Zahlungsmittel nicht wesentlich vom Pfad der realwirtschaftlichen Wertschöpfungsent- wicklung abweicht. Man geht davon aus, dass durch diesen bonitätsorientierten Zirkula- tionsmechanismus nur zu stückkosteninduzierten Güter- und Dienstleis- tungspreisen „gedecktes“ Geld in Umlauf gebracht wird. Die Zentralbank offeriert daher das Funding von Reserven für den Zahlungsausgleich im Zahlungsverkehrssystem (Überweisungs- und Barzahlungsverkehr) gros- so modo nur dann und zumeist gegen ausgewählte Sicherheiten zumeist in Form von Wertpapierpensionsgeschäften („Repos“), wenn die ökonomi- sche Kapitalsteuerung der Geschäftsbanken den regulatorischen Kapita- lanforderungen entspricht. Und die Geschäftsbanken sind unter diesen Voraussetzungen immer in der Lage, über genügend Zentralbank- und Barreserven (letztere durch Abruf von Zentralbankguthaben in Form von Banknoten) zu verfügen, um den Zahlungsausgleich aus dem Überwei- sungsverkehr (Settlement der Clearingsalden) durch Reserveübertragun- gen an die Inhaber der Forderungssalden und aus der Barauszahlung von Girokontoguthaben der Bankkunden zu ermöglichen. Dadurch erst verfes- tigt sich das Vertrauen in die Zahlungsmitteleignung des privaten Giralgel- des der Geschäftsbanken. Die Schwäche dieses Regulierungskonzepts (nach Basel I-III) besteht ganz offensichtlich darin, dass es das reale Phänomen der fundamentalen Unsicherheit ignoriert. Es werden die unerwarteten Ausfallsereignisse („unexpected loss“) als Maßstab für die regulatorische Ausstattung mit Ri- sikokapital, die realiter einer unkalkulierbaren („fundamentalen“) Unsi- 98 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1