cherheit unterliegen, durch die Anwendung von Konfidenzniveaus (Aus- fallshäufigkeit außerhalb bestimmter Bandbreiten des erwarteten Ver- lusts) stochastisch transformiert, um sie kalkulierbar zu machen. Im Sinne von Paul Davidson sitzt das Konzept in der Falle der „ergodischen Metho- dologie“ fest,19 die innerhalb einer berechenbaren Wahrscheinlichkeits- verteilung, die sich aus den Konfidenzintervallen zur Ermittlung des erfor- derlichen Risikokapitals für ein bestimmtes Kreditportfolio („value at risk“) ableitet, eine sichere Welt vorgaukelt. Gegenüber Unsicherheit im Sinne der Unvorhersehbarkeit von Ausfallsereignissen ist daher das Konzept verwundbar, sodass selbst bei hoher Aufsichtseffizienz die Zahlungsmit- teleignung des Giralgeldes nicht voll abgesichert werden kann. Ökonomi- sche Schocks können daher potenziell immer einen Sturm auf die Banken auslösen und sich bis zum Zusammenbruch des Geldmarkts ausweiten. Eine optimierte, wenngleich keine vollkommene Transaktionssicherheit für das Giralgeld ist aber erreichbar, wenn als Weiterentwicklung des Ban- ken-Regulierungssystems folgende zusätzliche Maßnahmen gesetzt wer- den, die in das bisherige Regulativ der Europäischen Bankenunion nur an- satzweise Eingang gefunden haben: (i) Einführung eines Trennbankensystems, sodass die Giralgeldschöp- fung weitgehend auf den realwirtschaftlichen Kreditvergabeprozess verwiesen ist und die spekulativen Marktrisiken des Eigenhandels (Geldschöpfung und Geldvernichtung durch Kauf und Verkauf von Vermögen in Form von Wertpapieren, Fremdwährungen und Deri- vaten) auf den Bedarf für Zahlungsverkehrszwecke und Kundenver- anlagungen beschränkt bleiben, wobei Marktrisikopositionen tun- lichst geschlossen werden mit Transaktionspartnern, deren Settle- mentrisiken überschaubar sind;20 (ii) Erhöhung der mikroprudenziellen Aufsichtseffizienz, sodass Akteu- re im Geschäftsbankenapparat mit spekulativen und unzulänglich beherrschbaren Geschäftsmodellen (z. B. Mängel in der Anforde- rungskette des Kreditrisikomanagements: Methoden? Instrumente ? Prozesse?Organisation?Ressourcen) rasch sanktioniert oder durch Abwicklung aus dem Markt genommen werden können; (iii) Einführung eines flexiblen Kernkapitalpuffers zusätzlich zu den re- gulatorischen Eigenmittelanforderungen als kurzfristiges Sanktions- instrument der Aufsicht zur Rücksteuerung der Abweichler ohne Ab- wicklungsnotwendigkeit auf den allgemeinen Iterationspfad der Geldschöpfung im Kreditvergabeprozess; (iv) die Zentralbank fungiert als „lender of last resort“ mit Leitfunktion auch bei aufsichtsbehördlich verfügten Bankenabwicklungen, um durch rasche Liquiditätssicherung Ansteckungseffekte über den Geldmarkt (Interbankenmarkt) zu verhindern; (v) regulatorische Einhegung („ringfencing“) des Schattenbankensek- 99 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft