va) und deren Finanzierung (Passiva) aufgezeichnet werden, verändern die periodischen Finanzierungssalden die Vermögenszusammensetzung (einschließlich Bilanzverlängerung- oder -verkürzung) und die Finanzie- rungsstruktur (einschließlich Leverage: Verhältnis von Eigen- zu Fremd- kapital). 6. Giralgeldzirkulation und Ersparnisbildung Aus der Natur der Giralgeldschöpfung im Kreditvergabeprozess der Ge- schäftsbanken wird deutlich, dass die Ausreichung von Krediten unabhän- gig von Kundeneinlagen unterschiedlicher Fristigkeit21 erfolgt, also der Kreditvergabe keine bei den Geschäftsbanken veranlagten Ersparnisse vorausgehen müssen, wie das der fiktiven Vorstellungswelt der „Loanable Funds“-Theorie entspringt. Denn durch die Valutierung von Krediten (oder von Kaufpreisen bei Vermögenskäufen) werden die Einlagen in Form von Giralgeld (jederzeit abrufbare Girokontoguthaben für Zahlungszwecke in Form von Barzahlungen oder Banküberweisungen) gleichzeitig mit einem Buchungsvorgang „aus dem Nichts“ („mit einem Federstrich“) geschaffen. Bestehende Einlagen können für Kreditzwecke gar nicht verwendet wer- den, denn ihre potenzielle Verwendung ist durch die Geldfunktionen be- reits festgelegt, eine darüber hinausgehende „Doppelverwendung“ ist funktionell und logisch ausgeschlossen. Die erwartungsabhängige Ver- wendung und Verteilung dieser Zahlungsmittel im Zahlungsverkehrskreis- lauf erst entscheidet, ob sie als Einnahmenüberschüsse gespart (in län- gerfristige Veranlagungsformen transformiert) oder zur Kredittilgung (Giralgeldvernichtung) verwendet werden oder als Girokontoguthaben zur kurzfristigen Liquditätssicherung (Transaktions-, Vorsichts- und Spekula- tionskassa nach Keynes) im Giralgeldkreislauf verbleiben. Die periodisch abgrenzbare Bestandsidentität I = S (Investitionen = I er- geben sich aus Ersparnissen = S) entspringt daher der Einnahmen-Aus- gaben-Logik ex post der Verwendung von Zahlungsmitteln in Form von Gi- ralgeld, das ex ante durch Kreditvergabe geschaffen wird. Sie kann für jedes beliebige Zeitintervall durch Stichtagsvergleiche der Bestandsver- änderungen in den relevanten Vermögensbilanzen auf jeder Aggrega- tionsstufe dargestellt werden. Davon zu unterscheiden ist das Funding der Geschäftsbanken für den Zahlungsausgleich im Zahlungsverkehr und den Bargeldbedarf der Bank- kunden, das temporär durch wechselseitige Limite im Interbankenmarkt zwecks Stundung der Clearingsalden überbrückt, aber ultimativ immer durch die Bereitstellung und Zirkulation von Zentralbankreserven erfolgt und eine Säule der Zahlungsmitteleignung des Giralgeldes darstellt. Daher sind es nicht die Ersparnisse, von denen die Finanzierung der In- 101 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft