Geldsystem mit Teilreservecharakter sollte folglich die Trennung der Ban- kenaufsicht von der Finanzmarktaufsicht mit Bankenaufsichtszuständig- keit bei der Notenbank sein, weil der Gläubigerschutz im Bankensektor weit über die Anforderungen der Finanzvermögensmärkte hinausgeht und die Transaktionssicherheit der Zahlungsmittel als Grundlage funktionie- render Geldsysteme tangiert. In diesem Licht wäre auch die Zukunftsfä- higkeit der aktuellen Aufsichtsreform in Österreich kritisch einzuordnen.24 Anmerkungen 1 Vortrag an den Ministerrat betreffend die Reform der Österreichischen Finanzmarktauf- sicht; https://www.fma.gv.at/download.php?d=3725. 2 „Zum 1. Mai 2002 ist das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (…) mit den damali- gen Bundesaufsichtsämtern für den Wertpapierhandel (…) und das Versicherungswe- sen (…) zur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verschmolzen worden.“ Siehe: https://www.bafin.de/DE/DieBaFin/AufgabenGeschichte/ aufgabengeschichte_node.html. 3 Der Einheitliche Bankenaufsichtsmechanismus SSM (Single Supervisory Mechanism) in der Verantwortung der EZB trat am 4. November 2014 als eine der tragenden Säulen der Europäischen Bankenunion in Kraft. Funktionelle Kurzbeschreibung unter: https://www.bankingsupervision.europa.eu/about/thessm/html/index.de.html. 4 Auf diesem Prinzip beruht die bestands- und flussgrößenkonsistente Modellierung volkswirtschaftlicher Produktions- und Dienstleistungskreisläufe auf VGR-Datenbasis, die dem Bilanzierungsansatz zugerechnet wird (Stock-Flow Consistent Models – SFC) und als postkeynesianische Alternative zu den agentenbasierten Gleichgewichtsmodel- len Anwendung findet. Zur Standardeinführung in dieses Thema vgl. Godley, Lavoie (2012). Der Bilanzierungsansatz verweist überdies auf die methodische Bedeutung der „doppelten Buchführung“ in der Vermögensdarstellung einer Volkswirtschaft, wobei aber die wechselseitige Konnektivität im Leistungsaustausch zwischen den Vermö- genseinheiten erst durch die Geldstromanalysen mit spiegelgleichen Bucheinträgen („Quatruple Entry Bookkeeping“) hergestellt wird. 5 Dieser Begriff zur Umschreibung des innovativen Homo-Faber-Prinzips in der Anthro- pologie wird Benjamin Franklin zugeschrieben und wurde von Samuel Johnson tradiert. Vgl. Boswell (1981). 6 Vereinfachter Erklärungsversuch. Aus einer Warenlieferung hat A eine Forderung gegen B und B eine gleich hohe Verbindlichkeit an A, die in Geldeinheiten der lokalen Währung (analog dem Geldpreis der gelieferten Waren) denominiert sind. Gläubiger (Verkäufer) und Schuldner (Käufer) kommen überein, dass B seine Verbindlichkeit an A nur schuldbefreiend tilgen kann, wenn er A seine Forderung mit einem gleich hohen Geldbetrag in lokaler Währung einlöst. A tauscht seine Forderung gegen B aber nur deshalb gegen eine betragsgleiche Forderung gegen das staatliche Geldmonopol (als solche wird staatliches Geld von der Zentralbank bilanziell ausgewiesen) ein, weil dieser Staat den Tauschwert seines Geldes im Umfang des jeweiligen Nennbetrags souverä- nitätsrechtlich mit einem höheren Grad an Sicherheit als B (oder jemand anderer) garantieren kann, indem er zur schuldbefreienden Tilgung der den SteuerbürgerInnen auferlegten Steuer- und Abgabenverbindlichkeiten („Steuerhoheit“) nur sein eigenes Geld als „gesetzliches Zahlungsmittel“ zulässt. Dadurch wird das staatliche Geld zum zirkulationsfähigen Zahlungsmittel. Denn A, B, C usw. können zur Abwehr behördlicher Zwangsmaßnahmen der Steuereintreibung ihre Steuern und Abgaben nur mit staatli- 105 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft