reits jetzt sind öffentlich zugängliche Daten und Grafiken zu einer Vielzahl von Ländern mit Zeitreihen verfügbar, die teilweise bis an den Beginn des 19. Jahrhunderts reichen. Dabei machen die Autoren schon in der Einleitung klar, dass ihnen die Reproduzierbarkeit und Transparenz der Daten ein großes Anliegen ist. Im Rahmen des Projekts, in das die- ses Buch eingebettet ist, geht es aber nicht nur um die strukturierte und ein- heitliche Erfassung von Einkommens- und Vermögensdaten, sondern auch um die methodische Erweiterung der Werkzeuge, mit denen Fragen der Un- gleichheit behandelt werden können. Diese beinhalten einerseits den soge- nannten DINA-Ansatz (Distributional National Accounts), der darauf abzielt, mikroökonomische Steuer- oder Befra- gungsdaten etwa mit dem Wachstum auf makroökonomischer Ebene in Ein- klang zu bringen. Darüber hinaus gibt es aber auch Weiterentwicklungen im Bereich der Schätzverfahren wie die Generalized Pareto Curves, die mittels weniger Parameter exaktere Ergebnis- se bei Einkommens- und Vermögens- schätzungen zulassen als bisherige Ansätze. Neben den zu erwartenden Dimen- sionen der Einkommens- und Vermö- gensverteilung, die in je einem Teil be- handelt werden, findet sich auch eine Gegenüberstellung von privatem und öffentlichem Vermögen im Zeitverlauf wieder. Im fünften und letzten Ab- schnitt zeigen die Autoren die mögliche zukünftige Entwicklung der Ungleich- heit anhand mehrere Szenarien auf und legen zudem einen umfangreichen Katalog an Maßnahmen auf, um einer potenziellen Zunahme entgegenzuwir- ken. Auf den mehr als 450 Seiten kann man sich als LeserIn leicht verlieren in den Details von Ländern, aber die zen- tralen Erkenntnisse ziehen sich durch alle Abschnitte durch und sind auch in der Kurzfassung zu Beginn des Bu- ches übersichtlich dargestellt. Einkommensungleichheit stieg In ihren Analysen zur Einkommen- sungleichheit kommen die Forscher im Wesentlichen zur gleichen Erkenntnis wie bereits Branko Milanovic in seinem Buch „Die Ungleiche Welt“: In fast allen Ländern stieg die Einkommensung- leichheit in den letzten Jahrzehnten. Die Ausnahmen, wie etwa der Nahe Osten, Subsahara-Afrika oder Brasi- lien, konnten ihre Einkommensung- leichheit jeweils stabilisieren, dies je- doch auf einem – auch international gesehen – sehr hohen Niveau. Auch ein weiterer Bezug zu Branko Milano- vic stellen die Autoren her, indem sie eine modifizierte Variante der berühm- ten Elefantenkurve (elephant graph) präsentieren, die das oberste Prozent dank besserer Datenstruktur noch wei- ter aufteilen kann. Anhand der Ergeb- nisse konstatieren die Verfasser, dass auch bei globaler Betrachtung die Un- gleichheit gestiegen ist: Die reale Wachstumsrate des Einkommens des reichsten Prozents der Weltbevölke- rung war zwischen 1980 und 2016 mehr als doppelt so hoch wie jene des Einkommens der unteren 50% der Weltbevölkerung! Öffentliche Verarmung Den wahrscheinlich interessantesten Teil des Buches stellt wohl der Ab- schnitt zur Entwicklung des öffentli- chen und des privaten Vermögens dar. Erstmals wird für viele Länder der Ver- such unternommen, die Entwicklung 123 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft