Arbeitsbeziehungen und (Lohn-)Ungleichheit Rezension von: Daniel Vaughan- Whitehead (Hrsg.), Reducing Inequalities in Europe. How Industrial Relations and Labour Policies Can Close the Gap, Edward Elgar, Cheltenham und Northampton, MA, und International Labour Office (ILO), Genf 2018, 612 Seiten, gebunden, ? 140; ISBN 978-1-788-11628-2. Ausgehend von dem Befund (teilwei- se stark) steigender Lohnungleichheit in der Mehrzahl der EU-Länder seit ei- nigen Jahrzehnten in einer Vielzahl von Studien1 stellen sich die AutorIn- nen des vorliegenden, von der Interna- tionalen Arbeitsorganisation (ILO) ko- ordinierten Sammelbandes die Aufga- be darzulegen, auf welche Weise und in welchem Ausmaß die nationalen Ar- beitsbeziehungen (d. h. dreiseitige So- zialpartnerschaft bzw. zwei- oder drei- seitige Sozialpakte auf nationaler Ebe- ne und insbesondere Kollektivverträge (KV) zwischen Gewerkschaften und Einzelunternehmen bzw. Arbeitgeber- verbänden) zur Begrenzung oder so- gar Reduktion der Lohnungleichheit und anderer Formen der Ungleichheit unter den unselbstständig Erwerbstäti- gen (wie z. B. Verteilung der wöchentli- chen Arbeitsstunden unter Teilzeitbe- schäftigten oder Anteil der befristeten Arbeitsverhältnisse) beigetragen ha- ben. Der Band besteht zum Großteil aus zwölf jeweils von nationalen ExpertIn- nen verfassten Länderkapiteln, die sich mit vierzehn Ländern befassen (WEu: D, NL, B, F, GB, IRL, S; SEu: E, I, GR; OEu: SLO, LT, LV, EST). Die Ka- pitel weisen eine gemeinsame Struktur auf, nämlich: Hauptmerkmale der Ar- beitsbeziehungen; Maßnahmen gegen Ungleichheit im Rahmen der Arbeits- beziehungen; Effekte derselben auf die Ungleichheit. Im einleitenden Beitrag fassen die AutorInnen, der Herausgeber Daniel Vaughan-Whitehead und Rosalia Vazquez-Alvarez, die Hauptergebnis- se der Länderstudien zusammen, prä- sentieren Sozialpakte und KV auf ver- schiedenen Ebenen, die auf eine Re- duzierung unterschiedlicher Formen der Ungleichheit abzielten bzw. auf in- novative Weise eine Balance zwischen Flexibilität (der Betriebe) und Sicher- heit (der Beschäftigten) anstrebten, und legen die Resultate von statisti- schen Analysen über die Effekte von KV auf diverse Ungleichheitsformen dar, wobei die Datengrundlage die eu- ropäische Verdienststrukturerhebung SES (Structure of Earnings Survey) bil- det. Den Abschluss des einleitenden Kapitels machen arbeitspolitische Schlussfolgerungen aus der empiri- schen Evidenz. Kollektivverträge und Ungleichheit KVverhandlungen und sozialer Di- alog auf der nationalen Ebene können, so die theoretische Literatur zu diesen Zusammenhängen, eine wichtige Rolle bei der Verringerung von Ungleichhei- ten und der Verwirklichung eines höhe- ren Maßes an sozialem Zusammenhalt spielen. Zahlreiche Studien belegen, dass starke Kollektivverhandlungsinstitutio- nen zu einer stärker egalitären Lohn- struktur beitragen. Zwischen dem Zen- tralisierungsgrad der KVverhandlun- gen und dem Ausmaß der Lohnun- gleichheit besteht tendenziell ein nega- 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 129