Darauf geht bereits der erste Beitrag im zweiten Teil des Buches ein, der sich mit den Auswirkungen des techno- logischen Wandels beschäftigt. Willi Altzinger und Stella Zilian untersuchen die Verteilungseffekte technologischen Fortschritts und kommen zum Schluss, dass die in den letzten Jahren steigen- de Einkommensungleichheit empirisch nicht eindeutig den neuen Technolo- gien zugeordnet werden kann. Mögli- cherweise ist der Zeitpunkt der Unter- suchung dafür noch zu früh gewählt. Jedenfalls ist der technologische Wan- del nicht der einzige und schon gar nicht der wichtigste Erklärungsfaktor für den beobachteten Anstieg der Un- gleichheit. Käthe Knittler legt in ihrem Beitrag das Augenmerk auf die Bereiche, die nicht von den angekündigten Produkti- vitätssteigerungen durch Digitalisie- rung profitieren werden. Dies sind die persönlichen Betreuungs- und Pflege- leistungen, bezahlt und unbezahlt. Die- ser Bereich ist, wenn die unbezahlte Arbeit in die Berechnungen mit aufge- nommen wird, der mit Abstand größte Wirtschaftssektor. Es stellt sich die dringliche Frage der Finanzierung die- ser lebensnotwendigen Tätigkeiten, angesichts weiter ansteigender Pro- duktivitätsdifferenzen der Sektoren. Bettina Haidinger zeigt in ihrem Bei- trag Beispiele betrieblicher Kontrolle durch digitalen Technologieeinsatz: Ein Bürogebäude mit 40.000 Sensoren von Deloitte in Amsterdam, die den Ar- beitsalltag der MitarbeiterInnen erfas- sen; Wearables, also Geräte mit Sen- soren, die während der Arbeitszeit ge- tragen werden und die dabei perma- nent Aufzeichnungen machen. Alles Formen, wie die Belegschaft während der Arbeit elektronisch vermessen wird. Daran schließen dann lernfähige Algorithmen an, die die erhobenen Da- ten verknüpfen können, um Vorschlä- ge für Produktivitätssteigerungen ma- chen zu können. Die Gefahren der per- manenten Überwachung für Körper und Psyche wie auch der Anleitungen zur Selbstoptimierung sind nicht unbe- trächtlich. Wichtig ist in diesem Zusam- menhang, dass die gezielte Individuali- sierung erkannt wird und dass mit kol- lektiven Mitteln wie gewerkschaftlicher und betriebsrätlicher Organisierung und gesetzlicher Regulierung entge- gengesteuert wird. Bei manchen neuen Arbeitsformen ist jedoch gar keine betriebliche Kon- trolle mehr notwendig, weil sie an eine Plattform ausgelagert sind, wo Auftrag- nehmerInnen durch ihre KundInnen ständig bewertet werden und dadurch ihren Wert steigern und in der Folge auch mehr Aufträge lukrieren können. Dies ist nur ein Aspekt von Crowdwork, wie Philip Schörpf beschreibt. Formal sind die ArbeiterInnen über Online- plattformen selbstständig, die Plattfor- men agieren als Intermediäre. Eine Vielzahl an arbeitsrechtlichen Miss- ständen wird immer wieder beobach- tet. Diese liegen begründet in der be- stehenden Machtasymmetrie und neu- en, vom Arbeitsrecht noch nicht erfass- ten Verhältnissen. Der dritte Teil des Buches widmet sich der Gestaltbarkeit des technologi- schen Wandels. Michael Soder erin- nert daran, dass technologischer Fort- schritt mit Arbeitszeitverkürzung ein- herging. In Westeuropa hat sich die Ar- beitszeit in den letzten 130 Jahren mehr als halbiert. Gerade deshalb soll- te Arbeitszeitpolitik einen zentralen Stellenwert in der aktuellen Digitalisie- rungsdebatte einnehmen. Martin Risak geht in seinem Beitrag auf die neuen Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1 140