45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 141 das Arbeitsrecht ein. Dabei fordert er einen neuen Arbeitnehmerbegriff, der sich stärker an der wirtschaftlichen Ab- hängigkeit orientiert als bisher. Aber auch die soziale Absicherung steht vor neuen Herausforderungen. Christine Mayrhuber nimmt in dieser Hinsicht den Faden voriger Beiträge auf. Das erwerbsorientierte Sozialver- sicherungssystem hängt an stabilen Vollzeitstellen und hohem Produk- tionspotenzial. Deswegen müsse dar- über nachgedacht werden, wie Daten- bestände und Datenflüsse in die Fi- nanzierung von sozialer Sicherheit mit- einbezogen werden können. Auch eine stärkere Einbeziehung von Vermö- gens- und Kapitaleinkommen in die Sozialstaatsfinanzierung regt sie an. Miriam Rehm und Matthias Schnet- zer beschäftigen sich mit den neuen, alten Verteilungsfragen, die durch neue technologische Entwicklungen entstehen. Wie können die Gewinne erfolgreicher Forschungen bzw. oft- mals in der Anfangsphase staatlich ge- förderter Unternehmen zumindest teil- weise an die Allgemeinheit zurückflie- ßen? Durch neue Steuern? Durch effi- zientere Steuereinhebung in Zeiten der Steuerflucht? Durch Beteiligungen des Staates an den geförderten Unterneh- men in Form von Staatsfonds? Durch Kapitalbeteiligungen von MitarbeiterIn- nen? Durch Förderung von selbstver- walteten Betrieben? Viele Möglichkei- ten und Fragen sind damit verbunden. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie die Kräfteverhältnisse zwischen Kapital und Arbeit gestaltet werden sol- len bzw. können. Im letzten Beitrag geht Kurt Vandale auf die Arbeitskämpfe in der Plattform- ökonomie ein und thematisiert die He- rausforderungen für die Gewerkschaf- ten. Dabei sollen bestehende, wie auch neue Formen der kollektiven Or- ganisierung genutzt werden, um Ge- genmacht zu entwickeln. Insgesamt ist das Buch mit seinen 16 Beiträgen, wovon hier nur einige kurz vorgestellt wurden, ein interessantes und lehrreiches Lesevergnügen und regt zum Nachdenken und Widerstand gegen eingeübte Denkweisen an. Ge- rade jetzt, wo mit dem Thema Künstli- che Intelligenz der nächste Technik- Hype über uns hereinbricht, sollte im Kopf behalten werden, dass die Ge- staltung der Zukunft im Sinne der Men- schen und nicht nur im Sinne der Ver- wertungslogik möglich und notwendig ist. Christa Schlager