die Beurteilung von deren Abhängig- keiten untereinander sowie auch die Bewertung und Gewichtung von beob- achtbaren Effekten können je nach Blickwinkel und Ausgangspunkt durch- aus ganz unterschiedliche Bilder zeich- nen, zumal es ohnehin sehr schwer ist, in Politikbereichen, die sich über einen langen Zeitraum entwickeln und die von einem allgemeinen Wandel in vie- len Lebensbereichen begleitet sind, signifikante Veränderungen zu identifi- zieren, die ursächlich auf den Reform- schritt zurückzuführen sind. Vor dem Hintergrund dieser struktu- rellen empirischen und analytischen Probleme versuchen die AutorInnen aber dennoch durch die Zusammen- fassung diverser empirischer Literatur einige Folgen der Reformschritte zu identifizieren. Dabei wird herausgear- beitet, dass es keine allgemein gülti- gen Ergebnisse gibt und die Entwick- lung in jedem Sektor und auch in jedem Land ganz unterschiedlich verlaufen kann. Sie legen zudem kritisch dar, dass es auch viele Mechanismen gibt, die dazu führen können, dass die Ef- fekte sogar in die Gegenrichtung aus- schlagen können und sie den ur- sprünglichen Zielen zuwiderlaufen. So können zum Beispiel Privatisierungs- schritte auch dazu führen, dass die Preise steigen und die als Folge von potenziellen Effizienzsteigerungen ver- muteten Kostensenkungen ausblei- ben. Dieser allgemeinen Einführung schließen sich Beiträge an, die sich mit den konkreten Entwicklungen in einzel- nen Sektoren beschäftigen. Dabei wird ein Abriss der historischen Entwicklung und der Reformschritte der EU in den Energie-, Eisenbahn-, Telekommuni- kations- und Postmärkten gegeben, und es werden auch die Folgen der Li- beralisierung und Privatisierung an- hand der tatsächlich stattgefundenen Umsetzung in verschiedenen Ländern aufgezeigt. Die AutorInnen gehen dabei auch auf die interessanten Verwerfungen ein, die sektorspezifische Reformprozesse in manchen Ländern produziert haben. Gerade in Großbritannien, wo ja be- sonders auf freie Märkte und privates Eigentum an Unternehmen gedrängt worden ist, hat sich in der Rückschau gezeigt, dass dieser Weg oft durch eine Verschlechterung der Versor- gung, Sicherheitsprobleme infolge zu niedriger Investitionen sowie steigende Preise gekennzeichnet war. In Staaten, die hingegen einen mo- derateren Zugang zu Reformen von Netzbranchen wählten und die weiter- hin sowohl durch öffentliches Eigentum als auch durch ein effektives Regulie- rungsregime eine stärkere Kontrolle über die Märkte beibehielten, scheint hingegen der Umstrukturierungspro- zess und die Balance der Interessen oft besser gelungen zu sein. Aber auch hier gilt, dass es jeweils auf den Einzel- fall ankommt, die empirischen Analy- sen also keineswegs immer eindeutig sind. Gerade für den Energiesektor zeigen die AutorInnen, dass die Effekte von Li- beralisierung und Privatisierung auch in der Literatur umstritten sind. Wäh- rend manche von einem positiven Ef- fekt auf die Effizienz ausgehen, der zum Teil auch den KonsumentInnen zugutegekommen ist, kommen andere Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass es im Privatkundensegment eher zu Preissteigerungen gekommen ist, während der Unternehmenssektor eher verschont wurde. Anders hat sich der nunmehr voll- ständig liberalisierte Telekommunika- 143 45. Jahrgang (2019), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft