tionsmarkt entwickelt. Dort zeigte sich eine zunehmende Vielfalt an Betrei- bern bei sinkenden Preisen und einem größeren Angebot. Auch wenn trotz Privatisierungsschritten bei vielen ehe- maligen staatlichen Betreibern der An- teil des öffentlichen Eigentums noch immer relativ hoch ist, scheint es so, als seien zwischen privaten und öffent- lichen Eigentümern keinerlei Unter- schiede in der Effizienz zu finden. Ehe- malige Monopole haben sich den neuen Marktbedingungen angepasst und agieren auf Augenhöhe mit ihren privaten Konkurrenten. Die Reform der Telekommunikationsnetze wurde gleichzeitig mit einem technischen Um- bruchprozess durchgeführt, der auch zu einem enormen Wachstum des Marktes führte. Die Liberalisierung des Telekommarktes ist deshalb auch nur schwer vergleichbar mit anderen Netz- branchen wie etwa dem Postmarkt, der eher schrumpft und wo sich nach der Liberalisierung nun wieder eine starke Tendenz zu Oligopolen zeigt. Über diese unterschiedlichen Ent- wicklungen in den einzelnen Sektoren und auch über die wichtigsten Unter- schiede bei der Umsetzung in ver- schiedenen Ländern versucht das vor- liegende Buch einen Überblick zu ver- mitteln. Natürlich können die einzelnen Artikel dabei nur ein rudimentäres Bild zeichnen, denn die umfassenden Re- formschritte der EU würden es wohl für jeden einzelnen Infrastrukturbereich nötig machen, ganze Bände zu schrei- ben, wollte man die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte umfassend in allen Details beschreiben. Aber das ist wohl gar nicht in aller Tiefe notwendig. Der Fokus des Bu- ches liegt ja eher in der Analyse der Reformen als solchen und deren Wohl- fahrtseffekten für EU-BürgerInnen. Aus einer kritischen Perspektive wer- den hier die sonst üblicherweise unter- suchten Parameter wie Kosten und Ef- fizienz um soziale Dimensionen erwei- tert und die Effekte auf KonsumentIn- nen in die Betrachtung miteinbezogen. Gerade in Infrastrukturbereichen, die öffentliche Dienstleistungen von vita- lem Interesse für die Gesellschaft dar- stellen, ist diese Perspektive dringend geboten, geht es doch darum, eine gute, sichere und leistbare Versorgung für alle sicherzustellen. Durch die Zusammenstellung der Entwicklungen und des Reformprozes- ses in allen wichtigen Netzbranchen haben die AutorInnen einen längst überfälligen Beitrag geleistet, um die oft von wirtschaftlichen Interessen ge- leitete Diskussion um Liberalisierung und Privatisierung wieder mehr auf reale Fakten zu konzentrieren. Es ist wenig überraschend, dass dabei der von Konservativen und Wirtschaftsli- beralen oft beanspruchte Mythos vom „schlechten Unternehmer Staat“ und von Wohlfahrtsgewinnen durch Privati- sierung empirischen Überprüfung oft nicht standzuhalten vermag. Vielmehr zeigt sich, dass gerade in Netzbran- chen staatliches Eigentum und stärker regulierte Märkte nicht weniger effi- zient und die Produkte bzw. Dienstlei- stungen nicht teurer sein müssen. Im Gegenteil, anhand von mehreren sek- toralen Länderbeispielen wird gezeigt, dass Privatisierung, Liberalisierung und Deregulierung dort oft zu Ver- schlechterungen für KonsumentInnen geführt haben. Gerade bei der Versor- gung mit so wichtigen Dienstleistungen wie Energie, Telekommunikation, Bahn und Post kommt es eben auf eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung an. Massimo Flori und seine MitautorIn- nen beleuchten hier viele Facetten der 144 Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1