Was ist Wert, und wie wird er geschaffen? Rezension von: Mariana Mazzucato, The Value of Everything: Making and Taking in the Global Economy, Allen Lane, London 2018, 384 Seiten, broschiert, A 18,15; ISBN 978-0-241-34779-9. Mazzucato bringt mit dem vorliegen- den Buch eine der Ursprungsfragen der Ökonomie wieder in den Mittel- punkt der Debatte: Was ist Wert, und wie wird er geschaffen? Mazzucato ar- gumentiert hier angelehnt an die klas- sischen Ökonomen Smith, Ricardo und Marx. Wertschöpfung ist die Produkti- on neuer Güter und Dienstleistungen mittels verschiedener Arten von Res- sourcen. Die Menge an Arbeitskraft, die in die Produktion hineingesteckt wurde, die angewandte Technologie, die Organisation der Arbeit sowie das Verhältnis von Kapital und Arbeit be- stimmen den neu erschaffenen Wert. Wenn ein Feld bewirtschaftet oder ei- nen Sessel getischlert wird, entsteht dabei ein neuer Wert. Das bloße He- rumschieben von bereits produzierten Gütern und Dienstleistungen bzw. das reine Handeln mit diesen beschreibt die Wertextraktion, beispielsweise dann, wenn BankerInnen auf Rohstoff- preise spekulieren oder Immobilien- händlerInnen Wohnungen kaufen, um sie anschließend wieder zu verkaufen. Dieses unproduktive Abschöpfen von Renten schafft keine neuen Werte. In welchem Zusammenhang stehen Wert und Preis? Alles, was einen Preis auf einem Markt erzielt, hat den ent- sprechenden Wert – so zumindest, wenn man dem Konzept von Knapp- heit und individuellen Präferenzen folgt. Wenn jedoch der Wert durch den Preis bestimmt wird, dann ist auch nur das, was sich auf Märkten bepreisen lässt, wertschaffend. So ginge vieles der tatsächlichen Wertschöpfung ver- loren. Deshalb stellt Mazzucato diese viel vertretene Werttheorie in Frage. Ziel des Buches ist es, den Lesenden die Schaffung von Werten zu vermit- teln und die tatsächlichen Wertschöp- fenden zu definieren, damit jene die Anerkennung dafür bekommen, die sie auch wirklich verdienen. Das Buch ist in neun Kapitel unter- teilt, die im Folgenden zusammenge- fasst werden. Zuerst beschreibt Maz- zucato die Geschichte von Wert in der Ökonomie. Heutzutage nehmen wir Wachstum unseres Wohlstands und Fortschritt als gegeben an. Dies war in der Vergangenheit nicht immer so: Vor der Ersten Industriellen Revolution im 19. Jh. wuchs der Lebensstandard nur langsam. Der Aufbau von Staaten, das Finanzieren von Kriegen, Kolonialisie- rung und Maschinen sowie das Versor- gen der Bevölkerung oder die Abschät- zung von Besteuerung bedurfte zuneh- mend einer genaueren Planung. Wie hoch ist das Einkommen einer Nation? Was erzeugt diesen Wert? Wenn man versteht, wie die Produktion von Wer- ten funktioniert, kann man die Schlüs- selfrage zu mehr Wohlstand beantwor- ten. François Quesnay definierte es im 18. Jahrhundert folgendermaßen: Grund und Boden ist die Quelle allen Wertes. Menschen können keine Wer- te schaffen, sondern diese nur trans- formieren. Der primäre Sektor, vor al- lem bestehend aus Bauern, Land- und MinenarbeiterInnen, ist der einzig wah- re produktive. Handwerker und andere Berufstätige in der Sachgüterprodukti- Wirtschaft und Gesellschaft 45. Jahrgang (2019), Heft 1 146