beitslosigkeit, die definitionsgemäß zeitlich begrenzt wären. In einigen Entwicklungsländern gibt es Initiativen, die vor allem Landarbeitern und armen Kleinbauern für einige Monate im Jahr ein zusätzliches Einkom- men verschaffen sollen. Diese Programme sind oft recht einfach umzu- setzen, weil die Zielpersonen schwere körperliche Arbeit gewohnt sind und geeignete Einsatzmöglichkeiten vergleichsweise einfach zu finden sind. Programme wie die leider abgebrochene „Aktion 20.000“ sind in ers- ter Linie auf die strukturelle Arbeitslosigkeit ausgelegt. Personen, die aufgrund ihres Alters oder anderer, oft multipler Vermittlungseinschrän- kungen als Arbeitslose wenig Chancen auf eine Wiederbeschäftigung am regulären Arbeitsmarkt haben, sollen eine Alternative zur Arbeitslo- sigkeit geboten bekommen. Die Diskriminierung allein aufgrund des Al- ters durch die Personalverantwortlichen der Unternehmen ist eine nicht zu leugnende Tatsache. Aufklärungs- und Imagekampagnen haben zwar die Bereitschaft zur Weiterbeschäftigung von Älteren erhöht, nicht aber die Bereitschaft, ältere Arbeitslose neu einzustellen. Bei Beschäf- tigungsprogrammen für diese Personengruppe geht es neben der Ein- kommensaufbesserung vor allem auch darum, das Humankapital für die Gesellschaft zu erhalten und den Betreffenden einen würdevollen Übergang in die Pension zu ermöglichen. Ein nicht gewinnorientierter Arbeitsgeber hat im Allgemeinen auch mehr Möglichkeiten, auf die spe- ziellen Bedürfnisse von Menschen mit anderen Vermittlungseinschrän- kungen Rücksicht zu nehmen. Ein eigenes Problem ist die Entlohnung der Beschäftigten in öffentli- chen Beschäftigungsprogrammen. Wie nicht anders zu erwarten, sind sich die meisten Autoren einig, dass der geltende Mindestlohn auf kei- nen Fall unterschritten werden darf. Überzahlungen bei besonderen Qualifikationen und längerer Berufserfahrungen werden in Erwägung gezogen und in die Kostenrechnungen sogar eingespeist, aber nicht im Detail ausgearbeitet. Die Bedingung, dass öffentliche Beschäftigungs- programme nicht in Konkurrenz zu privatwirtschaftlicher und regulärer öffentlicher Beschäftigung treten soll, wird aber allgemein geteilt. In die- sem Punkt könnte man allerdings unter gewissen Bedingungen Aus- nahmen andenken. Beispielsweise könnte man, wenn in Regionen mit schrumpfender Bevölkerung aufgrund eines gegebenen Personal- schlüssels bestimmte Leistungen eingeschränkt werden müssen, die „reine Lehre“ etwas milder auslegen. Minskys Überlegungen beziehen sich auf eine entwickelte Wirtschaft, in der es im Allgemeinen noch Kapazitätsreserven gibt und wo Erweite- rungsinvestitionen stattfinden, wenn sie rentabel zu werden verspre- chen. Konjunkturelle und strukturelle Arbeitslosigkeit sind hier die Hauptmotive zu intervenieren. In Entwicklungsländern, wo Kapitalman- 9 46. Jahrgang (2020), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft