Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - IX - Psychische Arbeitsbelastungen und Gesundheitsprobleme in Österreich Ein Drittel der unselbständig beschäftigten Männer und ein Viertel der unselbständig beschäftigten Frauen sind Zeitdruck oder Überbeanspruchung in derart hohem Ausmaß ausgesetzt, dass ihr psychisches Wohlbefinden aus subjektiver Sicht beeinträchtigt wird. 12,2 % aller unselbstständig beschäftigten Frauen und 13,0 % aller unselbstständig beschäftigten Männer sind von einem arbeitsbedingten Gesundheitsproblem betroffen. Überdurchschnittlich betroffen sind Personen im personenbezogenen Dienstleistungssektor, allen voran im Gesundheits- und Sozialwesen und im Unterrichtswesen. Unter Personen, die von psychischen Arbeitsbelastungen betroffen sind, ist die Häufigkeit gesundheitlicher Probleme, wie Depressionen oder Angstzustände, Herz-/Kreislauferkrankungen, Kopfschmerzen und Übermüdung sowie Infektionskrankheiten, in geringerem Ausmaß auch Muskel- Skelett-Erkrankungen, größer. (Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung Sondermodul 2007). Es können deutliche berufsgruppenspezifische Unterschiede im Gesundheitszustand festgestellt werden, und zwar unter Berücksichtigung von Alters- und Bildungseffekten. Personen in Berufsgruppen, die von starken psychischen Belastungen betroffen sind, häufig ergänzt um starke körperliche Beanspruchung verbunden mit Schlafmangel, etwa im Bereich der Gesundheitsberufe und in Führungspositionen, weisen einen schlechteren Gesundheitszustand auf. Dies schlägt sich in chronischen Krankheiten ebenso nieder wie in körperlichen Schmerzen, aber auch in Bluthochdruck als stressassoziierte Erkrankung. Personen in Berufen mit starken psychischen Anforderungen leiden insbesondere häufiger an Schlafstörungen, chronischen Angstzuständen oder Depressionen, Niedergeschlagenheit oder Erschöpfungszuständen. Arbeitslosigkeit als psychischer Belastungsfaktor Arbeitslose Personen weisen ein stark erhöhtes Gesundheitsrisiko auf. Insbesondere das Risiko, chronische Angstzustände oder Depressionen zu haben, ist unter Arbeitslosen mehrfach erhöht. Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheitsbeschwerden kann einerseits darauf beruhen, dass Arbeitslosigkeit als psychischer Belastungsfaktor negativ auf die Gesundheit wirkt, andererseits aber auch darauf, dass ein schlechter Gesundheitszustand eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit und Arbeitsproduktivität signalisiert und damit auch das Arbeitslosigkeitsrisiko erhöht (Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/07). Individuelle Lebenssituation und Einfluss auf arbeitsbedingte psychische Belastungen Die individuelle Lebenssituation und persönliche Lebenszufriedenheit haben einen großen Einfluss auf den Gesundheitszustand, insbesondere auf den psychischen Gesundheitszustand. Obschon die Gesundheit durch das subjektive Empfinden der Sinnhaftigkeit der Arbeit und der eigenen Lebensgestaltung, sowie durch die Zufriedenheit mit den persönlichen Beziehungen positiv beeinflusst wird, können die negativen Effekte, die aus psychischen Belastungen in der Arbeitswelt resultieren, nicht zur Gänze kompensiert werden. Das bedeutet, dass die berufsgruppenspezifische unterschiedliche Struktur der Belastung durch ein positives privates Umfeld nur mäßig beeinflusst werden kann (Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/07).