Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 1 - Einleitung Physische und psychische Belastungen am Arbeitsplatz resultieren nicht nur in betrieblichen Fehlzeiten mit den damit verbundenen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten, sondern sie verringern auch die Lebensqualit�t des Einzelnen. Das �sterreichische Institut f�r Wirtschaftsforschung (WIFO) hat sich in seiner Studie �Arbeitsbedingte Erkrankungen � Sch�tzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten� aus dem Jahr 2008 und �Arbeitsplatzbelastungen, arbeitsbedingte Krankheiten und Invalidit�t� aus dem Jahr 2009 (beide im Auftrag der Kammer f�r Arbeiter und Angestellte f�r Wien) auf die Analyse der physischen Belastungen, ihre Wirkungsmechanismen und die Sch�tzung der volkswirtschaftlichen Kosten konzentriert. Die Analyse der psychischen Belastungen wurde ausgespart, nicht zuletzt weil es wenige Daten gibt, die in der Lage w�ren, die Wirkungsmechanismen vom Ursprung einer psychischen Belastung bis zu einer Erkrankung nachzuvollziehen und in der Folge einer �konomischen Analyse zu unterziehen. In der Folge konzentrieren wir uns hier auf die Forschungserkenntnisse anderer Disziplinen, etwa der Psychologie und der Arbeitsmedizin, um Zusammenh�nge zwischen Arbeitsbedingungen und dem psychischen Wohlbefinden darzustellen. Die Herausforderungen f�r Untersuchungen der Wirkungsweisen psychischer sowie psycho-sozialer Belastungen liegen einerseits darin, dass sie sich nicht nur in psychischen Krankheitsbildern �u�ern sondern auch in einer Vielzahl von anderen Erkrankungen. In der Folge entfallen etwa im Jahr 2008 laut Krankenstandsstatistik (Statistik Austria, Hauptverband der �sterreichischen Sozialversicherungstr�ger) nur 1,9 % aller Krankenstandsf�lle auf psychische Krankheiten. Gleichzeitig meinen aber 37,6 % der unselbstst�ndig Besch�ftigten zwischen 15 und 64 Jahren, dass die Arbeit ihre Gesundheit beeintr�chtigt, und dass Stress ein Krankheitsausl�ser ist (Biffl/Leoni 2008; European Survey on Working Conditions 2000). Wenn psychische Belastungen als Ausl�ser f�r physische Gesundheitsprobleme genannt werden (sogenannte psychosomatische Erkrankungen) ist eine genaue Diagnose und Ursache-Wirkungsanalyse nicht m�glich. Es zeigt sich aber, dass die Dauer der jeweiligen Krankheit l�nger als im Schnitt ist wenn zus�tzlich Psychopharmaka verabreicht werden, d.h. wenn psychische Belastungen eine weitere Dimension der Krankheit darstellen (Fuezi 2009). Diese Tatsache erh�lt noch mehr Gewicht, wenn man bedenkt, dass Krankenstandsf�lle bei psychischen Erkrankungen �u�erst lange sind: Durchschnittlich betrug die Dauer eines Krankenstandes bei psychischer Krankheit im Jahr 2006 31,4 Tage. Noch l�ngere Krankenst�nde waren mit Krebserkrankungen oder anderen schweren Krankheiten wie Herzerkrankungen verbunden (vgl. Leoni/Mahringer 2008). Psychische und psychosomatische Probleme sind stark multifaktoriell verursacht und k�nnen nur zu einem bestimmten Grad auf die Arbeitsbedingungen zur�ckgef�hrt werden. Neben t�tigkeitsbezogenen und sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz tragen auch pers�nliche Merkmale und individuelle Verhaltensmuster zum Entstehen von psychischen und psychosomatischen Problemen bei (vgl. Fritz 2006; BAK 2009). Dar�ber hinaus k�nnen sich unterschiedliche Faktoren gegenseitig beeinflussen und best�rken. Daraus wird die Komplexit�t von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen und ihren Ursachen ersichtlich. Im Allgemeinen besteht kein klarer Konsens hinsichtlich der Determinanten von psychischer Gesundheit in der Arbeitswelt. Es liegt auf der Hand, dass Belastungen und Stressoren (wie z. B. Stress, Konflikte am Arbeitsplatz, usw.) negative gesundheitliche Folgen haben k�nnen. Andererseits hat sich