Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 12 - 2 Psychische Belastungen am Arbeitsplatz und Auswirkungen auf die Gesundheit: theoretische Erkl�rungsmodelle Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist in der Ottawa Charta von 1986 auf die Bedeutung der Ver�nderungen in der Arbeitswelt f�r den gesundheitlichen Zustand der Bev�lkerung hin: �Die sich ver�ndernden Lebens-, Arbeits- und Freizeitbedingungen haben entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit. Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit, die Arbeitsbedingungen und die Freizeit organisiert, sollte eine Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein.� (WHO 1986) Arbeitsbedingter Stress entsteht, wenn die Anforderungen und der Arbeitsdruck die eigenen F�higkeiten �bersteigen und nicht ausreichende Bew�ltigungskompetenzen vorhanden sind. Insbesondere stellen die inhaltliche Gestaltung der Arbeit, die Arbeitsbelastung, das Arbeitstempo, die Arbeitszeitgestaltung oder die (fehlende) Teilhabe an der Entscheidungsfindung und �kontrolle m�gliche Stressquellen dar. Zudem stehen die individuelle Laufbahnentwicklung, Status und Entlohnung, die Rolle innerhalb der Organisation, zwischenmenschliche Beziehungen, die Organisationskultur sowie die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben in Zusammenhang mit der Entstehung von arbeitsbedingten psychischen und psychosozialen Belastungen (vgl. Harnois/Gabriel 2000: 10; Leka/Jain 2010: 5). Nachfolgend werden arbeitspsychologische bzw. sozialwissenschaftliche Modelle diskutiert, die zur Erkl�rung des Zusammenhangs zwischen Arbeitssituation und Gesundheit ma�geblich beitragen. Allen voran ist hier das Anforderungs-Kontroll-Modell nach Robert Karasek zu erw�hnen, das die arbeitsbedingten psychischen und psychosozialen Belastungen im Kontext des individuellen Entscheidungs- und Kontrollspielraums betrachtet. Eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Modell lieferte die Entwicklung des Modells der beruflichen Gratifikationskrise nach Johannes Siegrist. Dieses Modell bezieht auch die pers�nliche Bew�ltigungskompetenz von Belastungen mit ein. Beide Modelle versuchen aber zu erkl�ren, inwiefern berufliche Belastungen gesundheitssch�digend, also krankheitsverursachend, sind. Einen anderen Blickwinkel liefert das Modell der Salutogenese nach Aaron Antonovsky, das wie auch das Anforderungs-Kontroll-Modell bereits seit mehreren Jahrzehnten existiert und empirisch wie theoretisch getestet wurde. Der Ansatz der Salutogenese geht im Gegensatz zu den beiden arbeitspsychologischen Modellen der Frage nach, wie Menschen trotz Belastungen gesund bleiben bzw. wie sie ihre Gesundheit wieder herstellen k�nnen. 2.1 Anforderungs-Kontroll-Modell nach Karasek und Theorell Das �Anforderungs-Kontroll-� oder �Job-strain-Modell� wurde Ende der 1970er Jahre vom amerikanischen Soziologen Robert Karasek entwickelt und im Laufe von mehr als zehn Jahren gemeinsam mit T�res Theorell weiter ausgebaut (Karasek/Theorell 1990). Dieses theoretische Erkl�rungsmodell identifiziert erstmals psychosoziale berufliche Belastungskonstellationen sowie jene physiologischen Aktivierungsmuster, die stresstheoretisch gesehen die sozialen Umwelteinfl�sse und somatischen und psychologischen Reaktionen in Verbindung bringen (vgl. Peter 2002: 388). Das Anforderungs-Kontroll-Modell klassifiziert psychosoziale Belastungskonstellationen von Arbeitssituationen anhand zweier Dimensionen: (1) (psychomentale) Arbeitsanforderungen, die an die Person gestellt werden, und (2) Entscheidungs- und Kontrollspielraum, der zur Erf�llung der Aufgaben vorhanden ist. Wenn eine Arbeitssituation von hohen physischen und psychischen Anforderungen