Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 26 - 3 Wirkungszusammenhänge zwischen arbeitsbedingten psychischen Belastungen und dem gesundheitlichen Wohlbefinden: empirische Evidenz in Europa und Österreich Die nachfolgenden Analysen und Darstellungen geben einen Überblick über die Verteilung von Belastungsmerkmalen in der österreichischen und europäischen Arbeitswelt und liefern Belege für den Zusammenhang zwischen diesen Belastungen und der Gesundheit der Beschäftigten. Die Ergebnisse stützen die Ausgangshypothese, wonach sich Arbeitsplatzbelastungen und insbesondere auch psychosoziale Belastungen negativ auf das subjektive Wohlbefinden und auf quantifizierbare Indikatoren, wie Krankenstand und Unfallhäufigkeit auswirken. Es handelt sich bei den Datenquellen zur Belastungssituation in Österreich und in der EU, die für die Studie herangezogen wurden, um Informationen, die auf Basis von Fragebögen und in Bezug auf einen abgegrenzten Zeitraum erhoben wurden. Sowohl der österreichische Mikrozensus und die Österreichische Gesundheitsbefragung, als auch der European Working Conditions Survey (EWCS) sind Stichprobenerhebungen, die sozusagen einen einmaligen „Schnappschuss“ der jeweiligen untersuchten Bevölkerung geben. Wie bei allen Auswertungen von Querschnittsdaten können daher aus den nachfolgenden Analysen grundsätzlich nicht eindeutige kausale Zusammenhänge abgeleitet, sondern nur Korrelationen von Datenpunkten zu einem bestimmten Zeitpunkt festgestellt werden. Aus der Tatsache, dass eine Variable zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer anderen Variable in Beziehung steht, lässt sich nicht rückschließen, inwiefern eine Variable eine Veränderung einer anderen Variable bewirkt bzw. bewirken kann. Nur bei wiederholten Messungen (oder in einem experimentellen Setting) ist es möglich, eine kausale Beziehung zwischen zwei Größen zu klären und somit neben der Richtung der Kausalität auch die Größenordnung dieses Einflusses zu bestimmen. Zudem kann in einer Querschnittsbetrachtung nicht im erwünschten Maße berücksichtigt werden, dass Selektionseffekte die Zusammensetzung der untersuchten Bevölkerung (bzw. der Stichprobe aus dieser Bevölkerung) prägen und somit von Beginn an ein partielles Bild des Untersuchungsgegenstands liefern. Allein durch eine Einschränkung auf Personen in Beschäftigung kommt es in einer Querschnittsbetrachtung zu selektionsbedingten Verzerrungen, da Personen, die aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausgetreten sind, systematisch unberücksichtigt bleiben. Diese allgemeinen Grundsätze spielen bei der Erforschung von gesundheitlichen Fragestellungen eine besonders wichtige Rolle, handelt es sich hierbei doch um Zusammenhänge, in denen die zeitliche Dimension und auch das gleichzeitige Auftreten von mehrfachen (mit)beeinflussenden Faktoren von zentraler Bedeutung sind. Das Risiko einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Gefährdung hängt letztendlich sowohl von der Intensität, als auch von der Dauer und zeitlichen Verteilung der Belastung ab (vgl. Wirtz 2010: 13). Da die Belastung eine Funktion der Belastungsintensität und der Belastungsdauer ist, kann eine geringere Intensität der Exposition über eine längere Dauer hinweg zur gleichen Ausprägung der Belastung führen, wie eine höhere Intensität über einen kürzeren Zeitraum. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass sich Intensität und Dauer linear auf das Ausmaß der Belastung und somit letztendlich auch auf die gesundheitliche Situation der Betroffenen auswirken: Die Belastung steigt mit zunehmender Intensität und Dauer sogar exponentiell an (Wirtz 2010: 14). Um die tatsächliche Auswirkung von Belastungen auf die Gesundheit zu messen, müsste man neben Intensität und Dauer der Exposition am Arbeitsplatz, auch Informationen über weitere gesundheitsrelevante Merkmale haben, die mit der Arbeitsplatzbelastung in Interaktion treten und somit den Einfluss der Belastung auf das Wohlbefinden verstärken oder schmälern. Wie bereits