Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 27 - ausführlich im Abschnitt 2 anhand der Modelle nach Karasek/Töres/Theorell, Siegrist und Antonowsky diskutiert, zählen zu diesen Merkmalen neben persönlichen Veranlagungen und Verhaltensweisen auch die Lebenssituation im Haushalt und das Vorhandensein von relevanten Umwelteinflüssen. In der arbeitswissenschaftlichen Fachsprache wird anhand der Begriffe der „Belastung“ einerseits bzw. der „Beanspruchung“ andererseits zwischen den objektiven, auf jeden Menschen in gleicher Weise einwirkenden Ursachen (Belastungen) und den subjektiven, bei jedem Menschen etwas unterschiedlich eintretenden Folgen (Beanspruchungen) unterschieden (vgl. Oppolzer 2010: 14). Der Beanspruchungsbegriff ist grundsätzlich neutral, da aus der Arbeitssituation nicht nur negative Beanspruchungen (also Beeinträchtigungen), sondern auch positive Beanspruchungen, die für die Gesundheit förderlich und anregend sind, hervorgehen können. Psychische bzw. psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz beanspruchen die individuelle Psyche demnach in individuell unterschiedlichem Ausmaß und zum Teil auch in unterschiedlicher Richtung. Im vorliegenden Bericht wird diese Begriffsdefinition nicht in Frage gestellt, dennoch ergibt sich aufgrund der verwendeten Datenquellen die Notwendigkeit einer begrifflichen Unterscheidung. Zum einen ist in der Folge in erster Linie von Belastungen bzw. Belastungsfaktoren die Rede, die von den Betroffenen subjektiv anhand einer Befragung eingeschätzt wurden und demnach nicht als „objektive, auf jeden Menschen in gleicher Weise einwirkende Ursachen“ verstanden werden können. Zum anderen wird anstatt von Beanspruchung, vorwiegend von Beschwerden und Erkrankungen gesprochen, also per Definition negativen Beanspruchungserscheinungen. Das nachfolgende Kapitel 3.1 greift auf die Daten aus dem European Working Conditions Survey 2005 zurück, um die Häufigkeiten von psychischen und psychosozialen Arbeitsbelastungen und deren Gesundheitsfolgen in Österreich in einen europäischen Kontext einzubetten. Kapitel 3.2 ist einem Überblick der psychischen bzw. psychosozialen Belastungsfaktoren sowie der Verbreitung von arbeitsbedingten und sonstigen gesundheitlichen Beschwerden gewidmet. Die Informationen aus dem Mikrozensus Sondermodul der Arbeitskräfteerhebung 2007 werden genutzt, um die Verbreitung von psychischen Arbeitsplatzbelastungen in der österreichischen Arbeitswelt und deren Zusammenhang mit der Gesundheit der Beschäftigten ein Stück weiter zu beleuchten. Um auf berufgruppenspezifische gesundheitliche Belastungen rückschließen zu können, werden hier auch die Daten aus der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/07 analysiert. Anhand dieser Datenbasis wird auch der Frage nachgegangen, wie sich die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheitszustand gestalten (Kapitel 3.3). In Kapitel 3.4 wird der Stellenwert der individuellen Lebensführung beim Umgang mit arbeitsbedingten psychischen und psychosozialen Belastungen diskutiert. Auch zu diesem Zweck werden die Daten aus der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/07 herangezogen. Eine detaillierte Beschreibung zu den verwendeten Daten findet sich im Anhang. 3.1 Psychische Arbeitsbelastungen und Gesundheitsprobleme im europäischen Vergleich In diesem Abschnitt werden anhand europäischer Daten die Einschätzungen von unselbständig Beschäftigten zu arbeitsbedingten gesundheitlichen Beschwerden und psychischen Arbeitsplatzbelastungen in Österreich mit denen anderer Länder verglichen. Als europäische Vergleichsgruppen für österreichische unselbständig Beschäftigte werden unselbständig Beschäftigte zwischen 15 und 64 Jahren aus Deutschland, Dänemark und aus der EU15 herangezogen. In Anlehnung und Fortführung des zweiten Abschnitts werden psychische Arbeitsplatzmerkmale im Kontext des Anforderungs-Kontroll-Modells nach Karasek und Theorell (1990) aufgezeigt. Der