Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 42 - Rückschlüsse auf psychische und psychophysische Beschwerden zulässt und der Ländervergleich diesbezüglich noch weitläufigere Fragen aufwirft. 3.2 Psychische Arbeitsbelastungen und Gesundheitsprobleme in Österreich Nach der Darstellung des Auftretens von arbeitsbezogenen psychischen und psychosozialen Belastungen und den damit in Zusammenhang stehenden gesundheitlichen Folgen in verschiedenen europäischen Ländern wird nunmehr die österreichische Situation detailliert dargestellt. Zu diesem Zweck werden die Daten aus dem Sondermodul der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2007 sowie der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/07 herangezogen (die genaue Beschreibung der Datengrundlage findet sich im Anhang 1A. I). 3.2.1 Häufigkeit und Verteilung von psychischen Belastungsfaktoren Die drei im Mikrozensus erhobenen spezifischen Belastungsfaktoren (Belästigung oder Mobbing, Gewalt bzw. Gewaltandrohung, Zeitdruck oder Überbeanspruchung) sind unterschiedlich stark verbreitet, durch die Möglichkeit der Mehrfachnennung summieren sich die Werte aus Übersicht 3.3 auf über 100 % auf. Mobbing und Gewaltandrohung können als schwerwiegende Formen psycho- sozialer Belastung eingestuft werden, und wurden von den Befragten vergleichsweise selten genannt. Insgesamt gaben 4 % der Beschäftigten an, am Arbeitsplatz Belästigung oder Mobbing ausgesetzt zu sein, 1 % sehen sich mit der Androhung von Gewalt bzw. mit Gewalt konfrontiert. Weitere 4 % der Befragten nannten andere, nicht näher spezifizierte Faktoren, die ihr seelisches Wohlbefinden beeinträchtigen können. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind hinsichtlich dieser Belastungsmerkmale (vor allem wenn man die Schwankungsbreite der Ergebnisse infolge des Stichprobenfehlers berücksichtigt) gering. Allerdings sind diese Faktoren unterschiedlich stark auf die einzelnen Branchen konzentriert. Belästigung und Mobbing sind unter den Beschäftigten im Unterrichtswesen, sowie im Gesundheits- und Sozialbereich, aber auch im Verkehr und der Nachrichtenübermittlung vergleichsweise stark verbreitet. In diesen Bereichen liegt der Anteil an Belasteten mit über 5 % deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Gewaltandrohung bzw. Gewalt wurde dagegen am Häufigsten von den Beschäftigten des Bereichs „Öffentliche Verwaltung, Landesverteidigung, Sozialversicherung“ genannt (4 %), was vermutlich auf die Beschäftigten im Bundesheer und den Polizeiorganen zurückzuführen ist. Die Zahl der Beschäftigten, die unter Überbeanspruchung und Zeitdruck leiden, ist dagegen deutlich höher: 30 % aller Unselbständigen sahen sich zum Zeitpunkt der Befragung einer solchen Belastung ausgesetzt, wobei die Quote der belasteten Männer mit 34 % deutlich höher als jene der Frauen mit 26 % ausfiel. Insgesamt war somit etwas mehr als ein Drittel der Befragten einer derartig hohen Belastung ausgesetzt, dass aus subjektiver Sicht eine Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens resultierte bzw. resultieren konnte. Aufgrund der geringen Fallzahlen von Personen die von Mobbing und Gewaltandrohung betroffen waren und auch der Schwierigkeit, alle erfassten Belastungsfaktoren gemeinsam zu interpretieren, stehen in den nachfolgenden Darstellungen die Fälle mit Überbeanspruchung und hohem Zeitdruck im Vordergrund der Analyse. Zeitdruck, hohe Arbeitsintensität und Überbeanspruchung sind Merkmale, die von den österreichischen Beschäftigten auch in den unterschiedlichen Wellen des Europaweiten EWCS immer wieder besonders häufig genannt wurden. Gemessen an einem Index, der von der europäischen Stiftung zur Darstellung der Arbeitsintensität konstruiert wurde, lag Österreich 2005 deutlich über dem EU-Schnitt. Betrachtet