Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 86 - Es kann hier davon ausgegangen werden, dass eine Selektion stattfindet, denn körperlich und psychisch belastete Menschen sind vielfach bereits bevor sie dieses Alter erreichen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Dragano et.al (2008: 121) stellen fest, dass ein krankheitsbedingtes Ausscheiden aus dem Erwerbsleben unter Erwerbstätigen aus niedrigeren sozialen Schichten häufiger vorkommt als unter bessergestellten Personen. Menschen mit geringem Einkommen, niedriger Bildung und gering qualifizierten Berufen sind also hinsichtlich ihrer Aussichten auf einen gesunden Ruhestand benachteiligt. Die Ursachen dafür liegen einerseits in schichtdifferenziellen gesundheitlichen Belastungen, andererseits aber auch in berufsspezifischen Risiken, denen Personen in niedriger qualifizierten Berufen stärker ausgesetzt sind. Betont wird dabei neben körperlichen Fehlbelastungen auch der psychische Stress, unter dem diese bestimmten Berufsgruppen leiden. Anzumerken ist dabei laut Dragano et.al. das besonders hohe Risiko der frühzeitigen Pensionierung unter LehrerInnen, was nicht auf niedrige Bildung und Qualifikation zurückzuführen ist. Auch das Risiko von chronischen Angstzuständen oder Depressionen nimmt mit zunehmendem Alter zu. Auch hier stellen aber die über 60-Jährigen Erwerbstätigen eine Ausnahme dar: Während das Risiko chronischer Angstzustände oder Depressionen unter Männer sehr gering ist (um 50 % niedriger als bei den 15- bis 19-Jährigen), ist dieses Risiko unter Frauen derselben Altersgruppe mehrfach erhöht. Auffallend ist auch die Tatsache, dass Männer zwischen 15 und 19 Jahren eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Schlafstörungen zu leiden, aufweisen, als jene zwischen 20 und 29 Jahren. Eine besondere Belastung im Lehrlingsbereich kann hier vermutet werden. Personen mit tertiärem Bildungsabschluss weisen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit auf, Schlafstörungen zu haben. Dies steht mit erhöhtem Berufsstress in Zusammenhang. Arbeitsbedingter Zeitdruck tritt besonders häufig innerhalb dieser Gruppe auf (siehe dazu Kapitel 3.2.1). Männer mit tertiärem Bildungsabschluss haben außerdem ein um knapp 40 % erhöhtes Risiko, an chronischen Angstzuständen oder Depressionen zu leiden (dies gilt nicht für Frauen). Die wöchentliche Arbeitszeit hat kaum Einfluss auf das Auftreten von Schlafstörungen oder Angstzuständen bzw. Depressionen. Wenig überraschend allerdings ist das erhöhte Risiko unter Personen mit Nachtarbeit, von Schlafstörungen betroffen zu sein. Unter Frauen ist dieser Zusammenhang ausgeprägter. Im Fall von Angstzuständen oder Depressionen ist die Auftretenswahrscheinlichkeit unter Männern deutlich geringer, wenn sie von Nachtarbeit betroffen sind, unter Frauen aber etwas erhöht. Sowohl Männer als auch Frauen, die nicht in Österreich geboren wurden, haben ein um etwa 60 % erhöhtes Risiko, an chronischen Angstzuständen oder Depressionen zu leiden. Dies weist darauf hin, dass Migrationserlebnisse den psychischen Gesundheitszustand immens beeinflussen und legen besondere Unterstützung für diese Personengruppe nahe, nicht zuletzt, um bestmögliche Arbeitsfähigkeit und damit gesellschaftliche Teilhabe gewährleisten zu können.