Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 89 - Wahrscheinlichkeit, Schlafstörungen bzw. Angstzustände oder Depressionen zu haben, aufweisen. Dies verdeutlicht den Stellenwert materieller Sicherheit für den psychischen Gesundheitszustand. Existentielle Ängste können eine starke psychische Belastung darstellen, die insofern arbeitsbedingt ist, als Einkommen meist über Erwerbsarbeit erwirtschaftet wird und so eine gewisse materielle Notwendigkeit besteht, möglicherweise schlechte Arbeitsbedingungen zugunsten eines stabilen Einkommens in Kauf zu nehmen. Wiederum sind es unter Männern die Büroangestellten mit Kundenkontakt – in geringerem Ausmaß auch Büroangestellte ohne Kundenkontakt – die eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, an Schlafstörungen zu leiden, aufweisen. Auch das Risiko, chronische Angstzustände oder Depressionen zu haben, ist in diesen Berufsgruppen erhöht, wobei dies aber besonders stark bei den männlichen Büroangestellten ohne Kundenkontakt auftritt. Unter Frauen weisen nicht-akademische Lehrkräfte eine um 60 % höhere Wahrscheinlichkeit, Schlafstörungen zu haben, auf. Männliche nicht-akademische Lehrkräfte hingegen haben ein knapp zweifaches Risiko, an chronischen Angstzuständen oder Depressionen zu leiden. Frauen, die als Anlagen- oder Maschinenbedienerinnen arbeiten, haben darüber hinaus eine weit höhere Wahrscheinlichkeit, an chronischen Angstzuständen oder Depressionen zu leiden. Sowohl Männer wie auch Frauen weisen ein um mehr als 60 % erhöhtes Risiko, an Schlafstörungen zu leiden, auf, wenn sie als Hilfskräfte tätig sind, und zwar unabhängig von Arbeitszeit, Nachtarbeit oder der finanziellen Absicherung. Beispielsweise könnte in diesem Zusammenhang eine berufsbedingte Lärmbelastung Einfluss auf das Auftreten von Schlafstörungen haben. 3.3 Die Arbeitsmarktsituation als psychischer Belastungsfaktor und deren Auswirkungen auf das gesundheitliche Wohlbefinden In einer Vielzahl von (deutschen) Studien konnte nachgewiesen werden, dass arbeitslose Personen häufiger gesundheitlich belastet sind. Insbesondere Muskel- und Skeletterkrankungen, Herz-Kreislauf- Beeinträchtigungen sowie gesundheitliche Risikofaktoren wie Übergewicht, Tabak- oder Alkoholkonsum treten bei Arbeitslosigkeit häufiger auf. Psychische Folgen von Arbeitslosigkeit treten häufig noch deutlicher in Erscheinung als somatische (vgl. Berth et.al. 2008: 22f). Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheitszustand ist von multifaktorieller Natur. Gruppenspezifische bzw. individuelle Faktoren wie Alter, Geschlecht, Qualifikationsniveau, finanzielle Einschränkung, Arbeit- und Berufsorientierung oder Verfügbarkeit von Hilfsangeboten stellen dabei gesundheitliche Risiken oder Ressourcen dar. Nichtsdestotrotz sprechen laut Elkeles (2008: 96f) viele Befunde dafür, dass die psychosoziale Belastung der Arbeitslosigkeit einen negativen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Betroffenen hat. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang im Bereich der psychischen Gesundheit. Auch die Ergebnisse aus Auswertungen der Österreichischen Gesundheitsbefragung aus 2006/2007 weisen den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheitszustand eindeutig nach. Es sei an dieser Stelle besonders darauf hingewiesen, dass Arbeitslosigkeit als psychischer oder psychosozialer Belastungsfaktor gesehen werden kann welcher sich negativ auf die individuelle Gesundheit auswirkt. Hurrelmann (2003: 28) stellt fest, dass Arbeitslosigkeit als „kritisches Lebensereignis“ gewertet werden kann, da sie mit Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls und Verlust des sozialen Status einhergeht, und somit zu erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigungen führen