Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 113 - Die Ergebnisse aus diesen Berechnungen sind allerdings mit besonderer Vorsicht zu genießen, da die beobachtbaren Merkmale auch insgesamt nur einen sehr geringen Erklärungswert besitzen.28 Es ist nicht auszuschließen, dass die ausgewiesenen Risk Ratios unter dem Einfluss von unbeobachteten und für das Krankenstandsgeschehen sehr relevanten Merkmalen stehen. Denkbar ist zum Beispiel, dass das Antwortverhalten der Befragten hinsichtlich der Belastungen am Arbeitsplatz von ihrem allgemeinen gesundheitlichen Zustand abhängen kann. Falls tatsächlich eine Korrelation der Belastungsvariablen mit dem (unbeobachteten) Gesundheitszustand bestehen würde, dann würde die (beobachtete) Information zu den Arbeitsplatzbelastungen im soeben geschätzten Modell (einen Teil) des Zusammenhangs zwischen dem (unbeobachteten) Gesundheitszustand der Beschäftigten und der Wahrscheinlichkeit eines Krankenstands in der Vorwoche „abfangen“ und somit eine Scheinkorrelation entstehen lassen. 4.1.4 Belastungen und Arbeitsunfälle Nicht nur die krankheitsbedingten Fehlzeiten zeigen eine deutliche Korrelation mit der Belastungssituation, auch das Unfallgeschehen und die damit einhergehenden Ausfallzeiten sind nicht gleichmäßig über alle Beschäftigtengruppen verteilt. Wie aus Übersicht 4.6 entnommen werden kann, entfallen auf 100 Beschäftigten ohne Belastungen im Schnitt 2,6 Arbeitsunfälle pro Jahr. Unter den Personen mit Belastung sind die Quoten deutlich höher, im Fall von Personen, die einer doppelten Belastung ausgesetzt waren hatten 8,6 % der Befragten im vorangegangenen Jahr einen Arbeitsunfall. Da sich die Unfallquoten der einzelnen Wirtschaftssektoren stark voneinander unterscheiden, werden diese Ergebnisse separat für den Dienstleistungssektor sowie für Landwirtschaft und Sachgütererzeugung präsentiert. Erwartungsgemäß sind die Beschäftigten in den produzierenden Bereichen der Wirtschaft größeren Unfallrisiken ausgesetzt – auch bei den Personen, die keinen Belastungsfaktor nennen, lag hier die Unfallquote mit 4,3 % deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. In diesem Bereich zeigt sich zudem ein sehr starker Konnex zwischen der Unfallwahrscheinlichkeit und der Exposition gegenüber körperlichen Belastungsfaktoren. Personen die ausschließlich einer psychischen Belastungssituation ausgesetzt sind, sind unterdurchschnittlich stark den für diese Wirtschaftsbereiche typischen Unfallgefahren ausgesetzt, was an der niedrigen Unfallquote von 3,1 % erkennbar ist. Unter den Personen mit körperlichen Belastungen erleidet dagegen jeder zehnte bzw. jede zehnte Beschäftigte im Jahresverlauf einen Arbeitsunfall. Die zusätzliche Präsenz von psychischen Belastungen scheint in dieser Hinsicht das Unfallrisiko nicht signifikant zu erhöhen. Im Dienstleistungsbereich ist der Konnex zwischen psychischen Belastungen und Arbeitsunfällen etwas stärker beobachtbar. Doch sowohl der Unterschied in der Unfallquote zwischen den unbelasteten Arbeitskräften (2 %) und den ausschließlich einem psychischen Belastungsfaktor Ausgesetzten (3,2 %), als auch jener zwischen den nur körperlich Belasteten (5,8 %) und den Doppelbelasteten (7,5 %) sind statistisch nicht signifikant. 28 Um die tatsächliche Verteilung von krankheitsbedingten Fehlzeiten erklären zu können, bräuchte es ein Modell, das zumindest die individuellen Determinanten eines Krankenstands (v. a. den allgemeinen Gesundheitszustand) gut abbildet.