Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 116 - 4.2.1.1 Systematisierung der Heilmittel Die von der Gebietskrankenkasse OÖ zur Verfügung gestellten Heilmitteldaten sind gemäß § 31 Abs. 3 Z 12 ASVG nach dem anatomisch-therapeutisch-chemischen Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (ATC-Code) geordnet (Beschreibung der Datengrundlage siehe A.I. IV im Anhang). In der ATC-Klassifikation werden Wirkstoffe entsprechend dem Organ oder Organsystem, auf das sie einwirken und nach ihren chemischen, pharmakologischen und therapeutischen Eigenschaften in Gruppen eingeteilt. Das ATC-System wird seit 1982 von der WHO entwickelt bzw. jährlich überarbeitet, um nationale und internationale Vergleiche im Bereich der Arzneimittel zu ermöglichen. Der siebenstellige ATC-Code gibt in der ersten Stufe die anatomische Hauptgruppe an. Die zweite Stufe gibt die therapeutische Untergruppe an. In der dritten Stufe wird die pharmakologische Untergruppe und in der vierten die chemische Untergruppe abgebildet, die fünfte Stufe bezieht sich auf den chemischen Wirkstoff. Die Codierung im verwendeten Datensatz beruht auf der vierten Untergruppe. Die Einteilung der Arzneimittel in eine Gruppe der Verschreibungen im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen erfolgt anhand der Systematisierung des Australian Institute of Health and Welfare (2008). Die Medikamente mit den ATC Codes N05A, N05B, N05C, N06A und N06B sind dort als „mental-health related prescriptions“ abgegrenzt. Die Anatomische Hauptgruppe der näher analysierten Medikamente ist das Nervensystem (N), die therapeutische Untergruppen 05 bezeichnen Psycholeptika (Arzneimittel mit dämpfender Wirkung auf psychische Funktionen) und 06 Psychoanaleptika (Arzneimittel mit anregender Wirkung auf psychische Funktionen). Die chemische Wirkungsweise der Gruppe A sind Antipsychotika und jene der Gruppe B Angstlöser. Im Folgenden wird der Begriff „Psychopharmaka“ für die beschriebenen Heilmittel verwendet. Die Abgrenzung, wie auch die Bezeichnung der verwendeten Heilmittel, ist sicherlich nicht eindeutig. Verschreibungen der hier zur Gruppe der Psychopharmaka zusammengeführten Medikamente können auch im Zusammenhang mit nicht psychischen Erkrankungen stehen, beispielsweise bei post- operativen Behandlungen. Eine höhere Trennschärfe ist allerdings aufgrund fehlender Informationen über die Diagnosen nicht möglich. Übersicht 4.7: Medikamentengruppe die als Heilmittel bei psychischen Erkrankungen verschrieben werden ATC-Code Gruppe Beschreibung der Wirkungsweise N05 Psycholeptika N05A Antipsychotika,: Wirksubstanzen die gegen schwere psychische Störungen wirken: wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Schizophrenie, Bipolaren Störungen und organischen Psychosen (Demenz) vorkommen N05B Angstlöser: wirken entspannend, werden bei Angststörungen eingesetzt, haben aber hohes Suchtpotential (z. B. Valium = Benzodiazepin) N05C Schlafmittel: eingesetzt bei Schlafstörungen, Sedativa: Beruhigungsmittel schalten das Bewusstsein aus (z. B. Barbiturate). Sedativa werden verwendet in der Intensivmedizin für “Tiefschlaf” und Narkosen. N06 Psychoanaleptika N06A Antidepressiva: Arzneimittel, die gegen Depressionen aber auch zur Behandlung von Zwangsstörungen, Panikattacken, Angststörungen, chronischen Schmerzen und Entzugssyndromen eingesetzt werden N06B Psychostiumulantien: diese erhöhen die Aktivität des zentralen Nervensystems, sollen kognitive Fähigkeiten verbessern und die Konzentrationsfähigkeit erhöhen (Aufputschmittel, Weckamine, Speed). Auch eingesetzt zur Behandlung des ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätssyndrom bei Kindern) Quelle: Australian Institute of Health and Welfare