Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 131 - Die Kosten für die verordneten Heilmittel zeigen einen deutlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern: Obwohl Frauen relativ mehr Psychopharmaka verordnet bekommen, sind die Durchschnittskosten pro Packung, wie auch die Maximalkosten bei Frauen, deutlich geringer als bei Männern. Auf die Kosten der Psychopharmaka hat damit der sozialrechtliche Status weniger Einfluss als das biologische Geschlecht. Übersicht 4.15: Durchschnittskosten pro Psychopharmakaverordnung in €, nach Geschlecht, 2005- 2009 2005 2006 2007 2008 2009 Männer, Anzahl 12.638 13.687 14.665 15.581 16.100 Durchschnittskosten in € 141,8 138,6 142,2 162,6 160,1 Frauen, Anzahl 20.938 22.791 23.504 24.720 24.975 Durchschnittskosten in € 125,3 124,7 128,4 145,3 139,4 Quelle: HV-INDIDV, OOEGKK, WIFO-Berechnungen. 4.3 Zusammenfassende Kosteneinschätzung Eine ökonomische Kostenbetrachtung von psychischen Arbeitsbelastungen will im Wesentlichen zwei sehr unterschiedliche Fragen beantworten, nämlich die nach der allokativen Effizienz und die nach der Kosteneffizienz. Während es in der ersten Frage um die Entscheidung über den Ressourcenaufwand zur Verbesserung der Arbeitswelt geht, der die direkten und indirekten Kosten für den Arbeitsausfall und die Betreuung von psychischen Krankheiten minimiert, dreht es sich bei der zweiten Frage um die kostengünstigere Behandlungsmethode bei gleichem Output/Heilungserfolg von psychisch Kranken. Die Frage nach der allokativen Effizienz ist demgemäß eine übergeordnete, bei der es um das Gesamtsystem Arbeit, Gesundheit und den relativen Ressourcenaufwand geht, einerseits im Arbeitsbereich zur Verringerung der Belastungen und damit von Kosten, andererseits im Gesundheitssystem zur Verringerung der Behandlungskosten. In dem Zusammenhang ist allerdings zu berücksichtigen, dass man nicht klar zwischen der Arbeitswelt und der Privatsphäre und individuellen Verhaltensmustern als Verursacher von psychischen Belastungen trennen kann. Das Zusammenspiel dieser Faktoren kann die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer bestimmten Krankheit kumulativ erhöhen, mit dem Resultat, dass die gesamte Belastung höher ist als die Einzelkomponenten vermuten ließen (vgl. Tountas et al. 2007; Thorlacius 2006; Polder et al. 2005; Arbetsmiljö Verket 2005; Ariens et al. 2001). Da eine klare Trennung zwischen Arbeitsbelastungen, Lebenssituationen und Lebensweisen bzw. Verhaltensmustern als Krankheitsauslöser infolge von Interdependenzen und Selbstselektion schwierig ist, ist ein Portfolio an Maßnahmen und Ressourcen zur Kostensenkung zu entwickeln. Das haben Industrieländer wie Österreich auch gemacht, ohne dass über eine Koordination im Sinne der Kosteneffizienz reflektiert wurde, nicht zuletzt weil die Kompetenzen nicht nur auf unterschiedliche Ministerien sondern auch auf die Bundesländer verteilt sind. Daraus ergeben sich schwierige Koordinationsprozesse und unterschiedliche Handlungsoptionen. So kann etwa der Bund über gesetzliche Verpflichtungen zur Sicherung der Arbeitswelt oder über finanzielle Anreize zur Investition in gesundheitsschonende und alternsgerechte Produktionsmethoden auf Arbeitsbelastungen einwirken. Aber die Beeinflussung von Verhaltensmustern der Individuen – etwa über Hinweise auf die Gesundheitsbelastung durch Nikotin oder die Bedeutung einer gesunden Ernährung und Bewegung für die Gesundheit – oder die Unterstützung von Menschen in bestimmten schwierigen Lebenslagen braucht andere Maßnahmen. So hat sich Österreich im ersten Fall eher für Werbecampagnen entschieden und im zweiten Fall für die Einführung von dezentralen Unterstützungsstrukturen, etwa Partnerschafts- und Schuldnerberatungen.