Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 138 - psychische Gesundheit aus. Unter der Annahme, dass etwa die Hälfte der Ausgaben für Personen im Erwerbsalter ausgegeben werden (etwa 425 Mio. €), und unter der weiteren Annahme, dass der Produktionsausfall in Folge von Absentismus und die Verringerung der Arbeitsproduktivität infolge von Präsentismus auf einen Kostenfaktor von 1,5 Mrd €34 kommen, ergäben sich in Summe knapp 2 Mrd. € oder 0,7 % des BIP an Kosten, die von psychischen Krankheiten ausgelöst werden. Angesichts der Tatsache, dass psychische Erkrankungen bei den österreichischen Männern die zweithäufigste und bei den Frauen die häufigste Ursache von Invaliditätspensionen sind, sind die längerfristigen Implikationen des Stress am Arbeitsplatzes in Kostenüberlegungen einzubeziehen. Im Jahr 2008 lagen etwa die Kosten für Invaliditätspensionen für Personen, die das gesetzliche Pensionsantrittsalter noch nicht erreicht haben bzw. für vorzeitige Alterspensionen aufgrund geminderter Arbeitsfähigkeit bei 2,9 Mrd. €. Somit betrugen diese Form der Pensionsleistungen im Jahr 2008 3,7 % der gesamten Sozialausgaben und 48 % aller Invaliditätsleistungen. Für Invaliditätsleistungen für Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) wurden 2008 im Schnitt 1.220 € pro LeistungsbezieherIn aufgewendet (vgl. BMASK 2010: 157ff). Diese Kosten sind seit 1995 überdurchschnittlich stark angestiegen. Die Kostensteigerung spiegelt sich auch in den Umsätzen der Versorgung durch FachärztInnen der Neurologie bzw. Psychiatrie; die im Jahr 2003 79,7 € pro Fall ausmachten und damit um 77 % über dem Durchschnitt über alle Haus- und FachärztInnen lagen.35 Von 1995 bis 2003 stiegen die Umsätze der FachärztInnen der Neurologie bzw. Psychiatrie um 83 %, wobei sowohl die Zahl der Fälle anstieg (+52 %) wie auch die Höhe der Umsätze pro Fall (+20 %) (vgl. Hofmarcher/Rack 2006: 205). Die European Agency for Safety and Health at Work, die im Jahr 1998 die Kosten in Zusammenhang mit Stress, Berufsunfällen und –krankheiten in den EU-Mitgliedsstaaten als Anteil am BIP berechnet, kommt für Österreich auf Kosten von 1,4 % des BIP bzw. 2,6 Mrd. € (vgl. Ramaciotti/Perriard 2003: 121). 34 Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) (2010) in Deutschland ermittelte einen Ausfall an Bruttowertschöpfung infolge psychischer und Verhaltensstörungen in der Höhe von 0,3 % des BIP. Diese Zahl bezieht sich auf die volkswirtschaftlichen Kosten von Absentismus. (vgl. baua 2010: 28f) Die Kosten für Präsentismus dürften mindestens ebenso hoch sein wie jene für Absentismus. (vgl. Steinke/Badura 2011: 78ff) (siehe dazu auch Kapitel 4.3.1) Das bedeutet, dass in Deutschland durch Produktionsausfälle und – verringerungen aufgrund von Absentismus und Präsentismus volkswirtschaftliche Kosten in der Höhe von mindestens 0,6 % des BIP oder 1,5 Mrd. € entstehen. 35 Größere Umsätze erbringen nur FachärztInnen der internen Medizin, der Chirurgie und Neurochirurgie.