Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 139 - 5 Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen Physische und psychische Belastungen auf dem Arbeitsplatz resultieren nicht nur in betrieblichen Fehlzeiten mit den damit verbundenen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten, sondern sie verringern auch die Lebensqualität des Einzelnen. Psychische und psychosomatische Probleme sind stark multifaktoriell erklärbar und können daher nur zu einem bestimmten Teil auf die Arbeitsbedingungen zurückgeführt werden. Neben den tätigkeitsbezogenen und sozialen Bedingungen am Arbeitsplatz tragen auch persönliche Merkmale und individuelle Verhaltensmuster zum Entstehen von psychischen und psychosomatischen Problemen bei. Darüber hinaus können sich unterschiedliche Faktoren gegenseitig beeinflussen und bestärken. Daraus wird die Komplexität von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen und ihren Ursachen ersichtlich. Erschwerend für die Forschung zu psychischen Belastungen in Österreich ist die schlechte Datenlage, vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland oder Skandinavien. Daten, welche es erlauben, einen Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen und den damit verknüpften Belastungen und dem gesundheitlichen Zustand der Menschen unter Bezugnahme auf die allgemeine, individuelle Lebenssituation herzustellen, gibt es für Österreich nur in Ansätzen. Trotzdem ist es aus wirtschafts- und gesundheitspolitischer Sicht wünschenswert, die Folgen von psychischen Arbeitsplatzbelastungen nach Möglichkeit zu isolieren und genauer zu untersuchen. Nur auf diese Weise ist es möglich, grundlegende Zusammenhänge zwischen psychischen Belastungsfaktoren in der Arbeit und gesundheitlichen Problemen zu erfassen, um in weiterer Folge Kosteneinschätzungen vornehmen zu können. Diese Erkenntnisse sind auch eine Voraussetzung dafür, Präventionsmaßnahmen treffsicher und effizient zu gestalten. Insgesamt gibt es also in Österreich ein Forschungsdefizit im Bereich der Gesundheitsökonomie. Im Gegensatz dazu werden die Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und psychischem Wohlbefinden in der angewandten Psychologie und in der Arbeitsmedizin seit geraumer Zeit untersucht, jedoch ohne dass die grundsätzlichen Erkenntnisse in der Gesundheitsökonomie aufgegriffen werden. Die vorliegende Analyse der psychischen Belastungen und ihren Folgen schließt nun dieses Forschungsdefizit ein Stück weit. Die durchgeführten (ökonometrischen) Analysen sind datengeleitet. Es wurden vier unterschiedliche Erhebungen herangezogen, um aus verschiedenen Blickwinkeln das Ausmaß der Belastungsfaktoren in Österreich – auch in einem europäischen Vergleich - aber auch die Wirkungsweisen psychischer sowie psycho-sozialer Belastungen auf das gesundheitliche Wohlbefinden und die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen zu analysieren. Veränderte Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt Die grundlegenden Veränderungen der Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten wirken sich unmittelbar auf die Arbeitsbedingungen aus. Zunehmender Wettbewerb verbunden mit Flexibilisierung der Produktionsstrukturen, Arbeits- und Einkommensunsicherheit führen zu erhöhter Arbeitsintensität, steigender Verantwortung und steigendem Zeitdruck, die Arbeitsplatzbelastungen nehmen zu. Zudem werden auch die Arbeitsformen flexibler, was häufig mit alternativen (oft unsicheren) Beschäftigungsverhältnissen einhergeht. Insbesondere der tertiäre Sektor, der sich in den letzten Jahrzehnten massiv ausgeweitet hat, ist von derartigen Arbeitssituationen gekennzeichnet.