Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 147 - Bei den Beschäftigten liegt der Anteil jener mit Heilmittelverordnungen bei den Männern bei rund 60 %, bei den Frauen bei rund 70 %. Psychopharmakaverschreibungen kommen weniger oft vor. Rund 9 % der Frauen und 5 % der Männer hatten im Jahr 2008 Verordnungen von Antipsychotika, Angstlöser, Schlafmittel, Antidepressiva und Aufputschmittel. Entlang der Sektoren weisen Arbeiterinnen im Dienstleistungssektor mit 11,3 % und die angestellten Frauen in der Land- und Forstwirtschaft mit 8 % die höchsten Anteile auf. Der sozialrechtliche Status hat nicht nur einen Einfluss auf den Anteil der Beschäftigten mit Psychopharmakaverordnungen, sondern auch einen deutlichen Einfluss auf das Ausmaß der verschriebenen Heilmittel insgesamt und der Psychopharmaka. Arbeiterinnen bekommen durchschnittlich 8,6 Medikamentenpackungen verschrieben, bei Arbeitern sind es 6,1. Angestellte Frauen kommen auf durchschnittlich 6,7 Packungen im Jahr, bei angestellten Männern sind es 5,5 Packungen. Arbeiter haben mit durchschnittlich 7,1 Packungen den größten Psychopharmakaverbrauch, angestellte Männer bekommen durchschnittlich 6,3 Packungen und Arbeiterinnen 6,0 Packungen verschrieben. Im Gegensatz zu den Heilmitteln insgesamt ändern sich hier die Geschlechtsspezifika: Obwohl der Anteil der beschäftigten Männer mit Psychopharmakaverordnungen niedriger ist als bei den Frauen, ist ihr durchschnittlicher Verbrauch pro Kopf höher als jener der Frauen. Ökonomische Wechselwirkungen psychischer Belastungsfaktoren: Volkswirtschaftliche Kosten Die Datenlage in Österreich lässt eine flächendeckende Analyse der Kausalitäten zwischen psychischen Arbeitsplatzbelastungen und dem Erkrankungsgeschehen der Erwerbsbevölkerung nicht zu. Ergebnisse aus Studien anderer Länder bzw. deren Übertragung auf den österreichischen Kontext bilden daher die Grundlage für die durchgeführten Kostenschätzungen. Internationale Studien legen nahe, dass in Europa zwischen 50 und 60 % der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle in der einen oder anderen Form auf Arbeitsstress zurückzuführen sind. Etwa 28 % der Arbeitskräfte in der EU sind mit Stress in der Arbeitswelt konfrontiert, knapp hinter den 30 %, die unter Muskel-Skelettbelastungen leiden. Diese Belastungen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Arbeitsleistung und die Arbeitsproduktivität. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten, die sich daraus ergeben, belaufen sich je nach Schätzungen auf 1,5 % bis 4 % des BIP, je nachdem ob neben den direkten medizinischen und betrieblichen Kosten auch noch eine Bewertung des Verlusts an Wertschöpfung und der Einschränkung der Produktivität vorgenommen wird. Wenn darüber hinaus auch noch die verstärkte Fluktuation, Gerichts- und Versicherungskosten, die Kosten des Drogenkonsums und der Gewalt infolge von Stress in die Kalkulationen Eingang finden, können die gesamtwirtschaftlichen Kosten von Stress in der Arbeitswelt 10 % des BIP erreichen, so etwa in Berechnungen für das Vereinigte Königreich (Cooper et al. 1996). Die große Bandbreite der Kostenschätzwerte weist auf die Schwierigkeit bei der Erfassung und Bewertung aller Kostenkomponenten hin. Die wesentlichen Kostenelemente sind nicht nur Fehlzeiten und Lohnfortzahlungen, sondern auch der Ausfall an Wertschöpfung, die Such- und Anlernkosten für Ersatzkräfte, Kosten krankheitsbedingter Erwerbsbeendigungen (Pensionierungen) oder erhöhte Unfallgefahr. Darüber hinaus gewinnen in der neueren Literatur zunehmend auch die Kosten des Präsentismus an Bedeutung. Dieser Begriff stammt aus der Arbeitsmedizin und beschreibt die Tatsache, dass Personen, die trotz einer gesundheitlichen Einschränkung am Arbeitsplatz erscheinen, aufgrund ihrer Beschwerden eine geringere Arbeitsproduktivität aufweisen. Internationalen