Psychische Belastungen der Arbeit und ihre Folgen - 148 - Berechnungen zeigen, dass die Kosten des Präsentismus die Kosten des Absentismus übertreffen (Steinke/Badura 2011). Berechnungen für Österreich legen nahe, dass psychische Belastungen am Arbeitsplatz mit ähnlich hohen gesamtwirtschaftlichen Kosten verbunden sind wie physische Arbeitsbelastungen. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit infolge von Arbeitsstress krank zu werden, geringer als bei physischen Arbeitsbelastungen, jedoch ist die durchschnittliche Krankenstandsdauer erheblich höher. Zudem sind die Kosten des Präsentismus infolge psychischer Beschwerden erheblich. In Summe ergeben sich daher geschätzte gesamtwirtschaftliche Kosten der psychischen Belastungen (medizinische und betriebliche Kosten) für das Jahr 2009 in der Höhe von etwa 1,2 % des BIP oder 3,3 Mrd. €. Eine etwas vorsichtigere Schätzung bezieht sich auf die Erhebung der Ausgaben des österreichischen Gesundheitssystems für psychisch Kranke (HVS-SGKK 2011). Dieser Erhebung zufolge gibt Österreich etwa 850 Mio. € für psychisch erkrankte Menschen aus (Krankenbehandlung, Anstaltspflege und Krankengeld). Unter der Annahme, dass in Österreich etwa die Hälfte der Gesundheitsausgaben für Personen im Erwerbsalter ausgegeben werden, und unter der weiteren Annahme, dass Absentismus und Präsentismus zu Kosten in der Höhe von 1,5 Mrd. € führen, ergäben sich Kosten in der Höhe von knapp 2 Mrd. € oder 0,7 % des österreichischen BIP. Wirtschaftpolitische Schlussfolgerungen Die Kostenanalysen legen nahe, dass zwar in die Akutversorgung von psychisch belasteten und kranken Personen verstärkt zu investieren ist, dass allerdings angesichts der hohen Kosten des Präsentismus der Prävention von Stress besonderes Augenmerk zu schenken ist. Die Stressprävention ist auf mehreren Ebenen zu planen und umzusetzen: auf der betrieblichen Ebene über eine geänderte Arbeitsorganisation, die vor allem auf eine alternde Belegschaft eingeht auf der Förderung der Einzelnen über die Vermittlung von Methoden zur besseren Stressbewältigung auf der institutionellen Ebene über einen gezielten Ausbau von Beratungs- und Betreuungseinrichtungen Um die Wirkungsweise von Maßnahmen sichtbar zu machen ist es allerdings notwendig, dass man sich auf ein Daten- und Indikatorensystem einigt, das relevante Aussagen über Krankheitsauslöser, ihre Prävalenz und die damit verbundenen Kosten machen kann. Studien zeigen, dass sich der Arbeitsplatz nicht nur dazu eignet, die Belastungen zu messen (Monitoring), sondern auch die damit verbundenen Formen des Gesundheitsrisikos. Erst mit der Transparenz dieser Strukturen und Mechanismen können Problemlösungen entwickelt und umgesetzt werden und im Anschluss auf ihre Effektivität und Effizienz getestet werden. Um die relevanten Datensystemen entwickeln zu können ist es notwendig, dass Betriebe, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), eine adäquate Unterstützung seitens der Arbeitsmedizin erhalten, um die Gesundheitsbelastungen der Arbeit zu identifizieren und kosteneffiziente Verbesserungsvorschläge zu machen. Es wird aber auch notwendig sein, in der Lohnpolitik alle Anreizmechanismen zur Ausübung von Tätigkeiten, die die Gesundheit belasten, abzubauen. Das derzeitige komplexe Zulagensystem ist dazu angetan, Arbeitsstrukturen nicht rasch genug zu verbessern, da Menschen oft bereit sind aus einer kurzfristigen