A r b e i t e r k a m m e r W i e n 1 Zusammenfassung Von Dezember 2010 bis Juli 2011 befragten ÖGB und Arbeiterkammer Wien über 800 Be- rufslenkerInnen in ganz Österreich. Rund 54 Prozent der Befragten waren überwiegend im Inland mit Nächtigung zuhause tätig, rund 17 Prozent im grenzüberschreitenden Verkehr mit Nächtigungen außer Haus. Die befragten Lkw- und BuslenkerInnen – es wurde auch nach Güterbeförderungsgewerbe (51 Prozent), Werkverkehr (14,7 Prozent), Gelegenheits- und Linienverkehr (7,4 bzw 11,1 Prozent) unterschieden – wiesen ein Durchschnittsalter von 44 Jahren auf, die mittlere Dauer der Unternehmenszugehörigkeit liegt mit weniger als 10 Jahren unter dem statistischen Durchschnittswert anderer Wirtschaftsbranchen. Bei der Interpretation der Studienergebnisse ist zu berücksichtigen, dass aus dem Bereich des Güter- und Personentransports hauptsächlich das Segment jener österreichischen Betriebe erreicht wurde, die gewerkschaftlich gut organisiert sind und über Betriebsräte verfügen. Vor allem Klein- und Kleinstbetriebe (unter 10 Beschäftigte), die in der Güterbeförderung rund 80 Prozent aller Betriebe ausmachen, sind in der vorliegenden Stichprobe deutlich unterrepräsentiert. Insgesamt bildet die vorliegende Studie daher einen Ausschnitt der Branche ab, der seinen Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen und stabilere Arbeits- verhältnisse bietet als die Branche insgesamt, wodurch vor allem bei allen sozialpolitischen Aussagen der Studie (Einkommen, Betriebszugehörigkeit, Einschätzung der Arbeitsbedin- gungen, Zugang zur Weiterbildung etc) davon auszugehen ist, dass die Branche insgesamt deutlich schlechter abschneidet. Hinsichtlich der Bezahlung der LenkerInnen fällt der hohe Unterschied zwischen dem ge- ringen Kollektivvertrags-Lohn und dem, von den LenkerInnen angegebenen, monatlichen Nettoeinkommen auf. Die Unterschiede bewegen sich dabei im Bereich von 500 bis 900 Euro im Monat, was auf den hohen Spesen- und Überstundenanteil des Einkommens zu- rückzuführen ist. Darüber hinaus wird unseren Ergebnissen zufolge Berufserfahrung in der Branche nicht honoriert, denn mit fortschreitendem Alter bzw mit zunehmender Dauer der Unternehmenszugehörigkeit erzielen die befragten LenkerInnen kaum Einkommenszu- wächse. Hinsichtlich der Lenkzeitüberschreitungen wurde festgestellt, dass FahrerInnen größerer Betriebe eher die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen einhalten, LenkerInnen aus Kleinstbetrieben nur ungern Auskunft darüber erteilen. Interessant ist das Ergebnis der LenkerInnen, die zu Hause übernachten können: Sie haben auffallend wenig Probleme, die Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Der vor allem von ArbeitgeberInnen des Güterbeförde- rungsgewerbes oft geäußerte Wunsch nach mehr Spielräumen bei Lenkzeitkontrollen er- wies sich als Vorwand: Die Auswertungen der Antworten deuten darauf hin, dass unzu- reichendes Wissen über die gesetzlichen Bestimmungen sowohl bei ArbeitnehmerInnen als auch bei ArbeitgeberInnen, unabhängig von Transportart, Alter und Dauer der Unter- nehmenszugehörigkeit, Hauptgrund für den Ruf nach mehr Toleranzen sind.