B u n d e s a r b e i t s k a m m e r 1 1. Einleitung „Green Jobs“ werden international als vielversprechendes Beschäftigungspotenzial gehan- delt, das durch umweltspezifische Maßnahmen und Regelungen gefördert werden kann. Damit werden mehrere Ziele angesprochen, nämlich durch Erhalt und Schonung der Öko- systeme langfristig die Lebensqualität zu erhöhen und gleichzeitig krisensichere, qualifizier- te Arbeitsplätze zu schaffen, die das Wirtschaftswachstum vorantreiben. Dies findet auch in der aktuellen EU-Strategie „Agenda 2020“ seinen Niederschlag, indem aufgrund von um- welt-, wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Überlegungen innerhalb der EU bis 2020 drei Millionen zusätzliche Green Jobs geschaffen werden sollen.1 Der Schwerpunkt der Diskussion liegt in Österreich ebenfalls bei Aussagen und Prognosen über das erwartete Beschäftigungspotenzial im Umweltsektor (BMLFUW 2010, Balabanov et al. 2010; Friedl- Schaffenhans, Haussegger 2010; Kletzan-Slamanig, Köppl 2009). Derzeit werden entspre- chend der von Statistik Austria verwendeten Definition 185.000 Beschäftigungsverhältnisse den Green Jobs zugerechnet (Wegscheider-Pichler 2009). Bis zum Jahr 2020 soll entspre- chend dem „Österreichischen Masterplan green jobs“ die Zahl der Green Jobs um 100.000 ansteigen (BMLFUW 2010). Auch für Österreich wird dabei suggeriert, dass sich umwelt-, wirtschafts- und beschäftigungspolitische Zielsetzungen gleichzeitig erfüllen lassen und Umweltarbeitsplätze grundsätzlich stabile Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen sind. In einer Definition von Green Jobs durch das United Nations Environment Programme (UNEP) werden zwar auch Kriterien für die Arbeitsbedingungen herangezogen, indem die- se als „Decent Jobs“ eine angemessene Bezahlung, Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Ar- beitsplatzsicherheit, Karriereperspektiven und ArbeitnehmerInnenrechte aufweisen sollen (UNEP 2008). Doch die Qualität von Green Jobs ist bislang sowohl in der politischen Dis- kussion, als auch in der Forschung von geringer Bedeutung. Dies, obwohl bekannt ist, dass mit Restrukturierungsprozessen in Unternehmen – die mit der Schaffung von Green Jobs häufig einhergehen – prekäre Arbeitsverhältnisse zunehmen, die Gesundheitsgefähr- dungen mit sich bringen können (Pickshaus 2010; Kalleberg 2009; Keller, Seifert 2007).2 Die wenigen vorhandenen Studien über die Qualität von Umweltberufen verweisen darauf, dass die Arbeitsbedingungen im Umweltschutzbereich sehr heterogen sind. Eine europäi- sche Untersuchung über die Qualität von Umweltberufen (AK 2001), bei der neben Öster- reich Deutschland, die Niederlande, Schweden und Spanien einbezogen waren, zeigt, dass die Implementierung von Umweltschutztechnologien die Qualität der Arbeit verbes- sern kann. Doch die Arbeitsbedingungen im klassischen Umweltbereich sind häufig durch 1 EU-Präsident Barroso spricht in einer Parlamentsrede von drei Millionen Green Jobs, die innerhalb einer Dekade in der EU geschaf- fen werden sollen (zitiert nach BMLFUW 2010). 2 Die Qualifikationsanforderungen von Green Jobs sind zwar Thema mehrerer Studien (OECD 2010, CEDEFOP 2009 oder für Öster- reich Friedl-Schafferhans, Hausegger 2010, Heckl et al. 2008), es geht dabei aber eher um die Schaffung neuer Berufsfelder und Ar- beitsplätze durch Green Jobs als um deren Arbeitsbedingungen.