G R E E N J O B S 6 I n f o r m a t i o n e n z u r U m w e l t p o l i t i k Je nach Definition werden mit Green Jobs unterschiedliche Gruppen und Anteile der Ge- samtbeschäftigten angesprochen.4 Die Interpretationen reichen von Berufen in den klassi- schen Umweltbereichen bis hin zu „Green Knowledge“ als Grundvoraussetzung für die meisten Jobs der Zukunft. So wird vor allem von der ILO betont, dass eine allgemeine Öko- logisierung von Berufen stattfinden wird. Wir orientieren uns hier an dem EUROSTAT-Konzept der „Umweltorientierten Produktion und Dienstleistungen“ (EGSS), das durch Berechnung des Umweltsektors eine empirische Schätzung der Green Jobs für Österreich ermöglicht und auch als Basis für die Entwick- lungsprognosen durch den „Masterplan green jobs“ des österreichischen Lebensministeri- ums verwendet wurde (BMLFUW 2010). 2.1 Green Jobs im EGS-Sektor Mit dem EUROSTAT-Konzept der „Umweltorientierten Produktion und Dienstleistung“ (EGSS) hat man zwischen 2006 und 2009 ein einheitliches Konzept zur statistischen Er- fassung entwickelt, das erstmals eine empirische Ermittlung von Green Jobs auf breiter Basis erlaubt und dabei über die traditionellen Umweltberufe hinausgeht (EUROSTAT 2009). Demgemäß werden dem Umweltsektor Produzenten von Gütern, Technologien und Dienstleistungen zugeordnet, die Umweltschäden oder Ressourcenabbau vermeiden oder zumindest vermindern, behandeln, kontrollieren, messen und untersuchen (Wegscheider- Pichler 2009). Es wird dabei nicht global zwischen grünen und nicht-grünen Sektoren un- terschieden, sondern die Zuteilung der Güter, Technologien und Dienstleistungen erfolgt über deren Hauptzweck, der nach obiger Definition im Umweltschutz liegen muss. Mit dem EUROSTAT-Konzept, an dessen Entwicklung auch die Statistik Austria mitgear- beitet hat, wurden Umsatz und Beschäftigte der umweltorientierten Produktion und Dienst- leistung für Österreich im Jahr 2008 erstmals ausgewiesen (Wegscheider-Pichler 2009). Dabei werden auf Basis von Produktionsdaten der Konjunkturerhebung, Informationen von auf Umweltgüter spezialisierten Unternehmen, Daten der Leistungs- und Strukturerhebung, der Umweltschutzausgabenrechnung sowie Fachliteratur, Internetrecherchen und Exper- tInnenschätzungen der Umsatz und die Beschäftigten des österreichischen Umweltsektors (in Vollzeitäquivalenten) berechnet. Da sich auch durch dieses Konzept der Umweltanteil nicht so leicht herausfiltern lässt, basieren manche Zahlen auf Schätzungen und Hoch- rechnungen. Durch eine komplexe Klassifizierung ist es aber möglich, die Art der Umwelt- tätigkeit und die verschiedenen Umweltbereiche näher zu analysieren. Der Zugang erfolgt dabei über die Produktionsseite, d.h. über Unternehmen bzw. Wirtschaftsklassen. Die Zu- ordnung von „Umweltbeschäftigten“ zu den Wirtschaftsklassen geschieht also indirekt. In 4 Die geschätzten Green Jobs reichen von 2,3 Mio. bis zu 21 Mio. innerhalb der EU, d.h. bis zu einem Anteil von 10% aller Beschäftig- ten. Zum Teil werden auf Basis dieser internationalen Studien eigene Definitionen von Green Jobs entwickelt. Beispielsweise werden in der Studie „Mehr und qualitätsvollere Green Jobs“ von Balabanov et al. (2010: 12) klassische Umweltschutzaktivitäten ausge- schlossen, da sich die Schätzungen zur Entwicklung der Green Jobs primär auf Maßnahmen zur CO2-Reduktion beziehen.