22 4. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND REFORMBEDARF ENTLANG EINZELNER MAßNAHMEN UND PROGRAMME: WELCHE IN- STRUMENTE WIRKEN, WELCHE NICHT, FÜR WEN UND WA- RUM? Welche Schlussfolgerungen und Lehren können in Bezug auf einen möglichen Reformbedarf in der akti- ven Arbeitsmarktpolitik in Österreich aus den zehn zitierten wissenschaftlichen Untersuchungen gezogen werden? Wirken die Programme? Sind die richtigen TeilnehmerInnen in den richtigen Maßnahmen? Ist das Design der Programme grundsätzlich problemadäquat? Wurde die richtige Wahl von Dauer und In- tensität der Maßnahmen getroffen? Finden die Interventionen zum richtigen Zeitpunkt im „unemployment spell“ statt? Wird der institutionelle Kontext entsprechend berücksichtigt? Gibt es intervenierende Politik- variablen und Zielvorgabe, die die beabsichtigte Wirkungen der Maßnahmen möglicherweise konterkarie- ren? Unterscheiden sich kurz- und langfristige Effekte der Teilnahmen? Wie wirken die Politiken über den Konjunkturzyklus? Auf all diese Fragen geben die zitierten Studien nur ansatzweise eine Antwort, v. a. deshalb, weil sie den politisch/institutionellen Kontext zu einem erheblichen Teil ausblenden; insofern können sie als „black box“ apostrophiert werden. Die zentrale Frage nach dem warum bleibt im Unklaren bzw. überhaupt un- beantwortet Aber sie haben auch einen entscheidenden Vorteil: sie fokusieren auf den zentralen Aspekt, nämlich die Beantwortung der Frage: Wirken die aktiven Maßnahmen für die TeilnehmerInnen über- haupt? Kommen diese „state-of-the-art“-Untersuchungen beispielsweise zum Ergebnis, dass die Pro- gramme nicht wirken oder überhaupt schädliche für die weitere Arbeitsmarktperformance der Teilnehme- rInnen sind, so ist ein wesentlicher, erster Schritt getan – jetzt könnte die Ursachenforschung beginnen! Im Anschluss können die „crucial design features“ der Programme reformuliert werden, kann das „fine tuning“ beginnen oder es können bestimmte Maßnahmen überhaupt beendet werden. In der Folge wird der Versuch unternommen, Schlussfolgerungen im Hinblick eines möglichen Reformbe- darfes zu ziehen. Dieser Versuch wird jedoch erschwert durch den Umstand, dass die zitierten Studien in ihren Ergebnissen nicht immer in eine einheitliche Richtung weisen; in manchen Untersuchungen wird einer Maßnahme eine positive Wirkung attestiert, in einer anderen wiederum eine insignifikante oder gar negative – und umgekehrt (siehe dazu die zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse in Tabelle 1). Diese Erkenntnis ist in der Evaluationsforschung durchaus nicht ungewöhnlich (siehe dazu die in der Einleitung zitierten Arbeiten). Daher soll in der Folge versucht werden, die Quintessenz aus den Studien, die sich abzeichnende Tendenz herauszuarbeiten.