1 6 | D I E V E R T E I L U N G V O N V E R M Ö G E N I N Ö S T E R R E I C H Gesellschaftliche Aus wirkungen von Ungleichheit Binnen markt werden über 90% der her- gestellten Waren und Dienstleistungen zwischen den Mitgliedsländern gehan- delt. Wenn nur einige Länder exportie- ren und die anderen importieren, dann führt das zu wirtschaftlichen Ungleich- gewichten. Wenn diese Staaten die gleiche Währung besitzen, bräuchten sie einen Ausgleichsmechanismus, der die Aufgabe des Wechselkurses über- nimmt, ansonsten führt die ungleiche wirtschaftliche Situation zu enormen Spannungen, wie sich in der Eurokrise zeigt. Somit kann weder über die in- terne Verschuldung noch über Exporte das Manko der Nachfrageschwäche aufgrund ungleicher Verteilung ausge- glichen werden. Beide dieser Versuche, die Probleme der Ungleichheit zu um- gehen, sind spektakulär gescheitert. Sie spielten in den USA und in Europa eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007. Höhere Ungleichheit führt somit zu geringerem Wachstum und stärkerer Krisenanfälligkeit durch eine struktu- relle Nachfrageschwäche, sowie durch eine höhere Veranlagung in risikorei- chen, spekulativen Finanzprodukten. Eine gleichere Verteilung hingegen führt zu größerem gesamtgesellschaft- lichen Wohlstand und einem stabileren Wachstum. Soziale Aspekte der Un­ gleichheit Ein gewisses Ausmaß von Ungleichheit in der Verteilung von Vermögen kann durchaus positive Auswirkungen ha- ben, indem sie etwa Leistungsanreize erzeugt. Ungleichheit kann Menschen dazu motivieren, im Arbeitsleben hohe Leistungen zu erbringen, mit dem Ziel die Karriereleiter zu erklimmen, höhere Einkommen zu erzielen und Vermögen anzusparen. Allerdings wird die ungleiche Verteilung von Vermögen problematisch, wenn die Unterschiede zwischen arm und reich unüberwindbar werden, und zu einer dauerhaften Privilegierung eines kleinen Teils der Bevölkerung führen. Das ist etwa insbesondere der Fall, wenn Ver- erbung für den Vermögensaufbau eine große Rolle spielt. Dann kann Entmuti- gung eintreten und die Gefahr sozialer Konflikte steigen. Unabhängig von solchen psychologi- schen Effekten auf Leistungs- und Kon- fliktbereitschaft gibt es handfeste Bele- ge für objektive negative Auswirkungen von starker Ungleichheit bei Einkom- men und Vermögen auf zentrale Berei- che der Gesellschaft. Westliche Staaten mit höherer Ungleichheit schneiden in Gesundheits- und Bildungsstatistiken schlechter ab und haben höhere Krimi- nalitätsraten. Reichtum – nur schwarz oder weiß? Für den 3. Armuts- und Reichtumsbe- richt in Deutschland, der die wissen- schaftliche Forschung in diesen Berei- chen fördert, wurden Einstellungen zum Reichtum untersucht. Dabei zeigt sich, dass „erarbeitetes“ Vermögen entspre- chend der Leistungsgerechtigkeit po- sitiv gesehen wird. Dabei werden auch die Vorteile von Privatvermögen für die Gesellschaft nicht übersehen: Wohltä- tigkeit, höhere Steuereinnahmen, hö- herer Konsum und die Schaffung von Arbeitsplätzen ebenso wie Aufstiegs- streben durch die Vorbildfunktion rei- cher Menschen. Im Gegensatz dazu stößt Vermögensun- gleichheit, die durch strukturelle Unge- rechtigkeiten des Wirtschaftssystems, Unehrlichkeit oder Beziehungen erlangt wurde, auf geringe Akzeptanz. Dabei sind es gerade diese Mechanismen, die als ausschlaggebend für große Vermö- gen gesehen werden. Das ist einer der Der Anstieg der Ungleichheit war für die Finanzkrise mit­ verantwortlich.