2 0 | D I E V E R T E I L U N G V O N V E R M Ö G E N I N Ö S T E R R E I C H Gesellschaftliche Aus wirkungen von Ungleichheit dass nicht mehr allein Bürgerinnen und Bürger als WählerInnen die Politik be- stimmen, sondern dass sich die Demo- kratie den Regeln der Vermögensrei- chen, Finanzmärkte, Hedgefonds und Banken anpassen soll. Deren Interes- sen gelten als unumstößliche „Sach- zwänge“. Es ist wichtig zu erkennen, dass in einer Demokratie das Vertrauen „der Märkte“ nicht wichtiger sein kann, als jenes der WählerInnen. In Österreich (wie in vielen anderen westlichen Demokratien) nimmt das Misstrauen gegenüber der Politik zu. Bei 71 Prozent der befragten Wahlbe- rechtigten ist das Vertrauen in die ös- terreichische Politik in den vergangenen fünf Jahren gesunken (OGM 2012). Ei- nerseits herrscht ob der vermeintlichen Sachzwänge ein Ohnmachtsgefühl vor (das sogenannte „Wutbürgertum“), an- dererseits wird ein politischer Stillstand beklagt. Tatsächlich wird ein gesell- schaftlicher Konsens immer schwerer erzielbar, wenn sowohl die Interessens- lagen als auch die Möglichkeiten Inter- essen durchzusetzen immer ungleicher werden. Diese Spaltung der Gesell- schaft, die die Kompromissfindung erschwert, verstärkt die Politikverdros- senheit und erleichtert Lobbyorgani- sationen erst recht, Einzelinteressen durchzusetzen (Nowotny 2012). Steigende ökonomische Ungleichheit führt damit zu mehr Ungleichheit in der Politik: Der Zugang zu Entscheidungs- trägerInnen und Entscheidungen ist ungleich. Immer weniger BürgerInnen fühlen sich und ihre Interessen von der Politik vertreten. Damit sinkt mit stei- gender Ungleichheit auch die Akzep- tanz von und das Vertrauen in demo- kratische Institutionen. Je größer die soziale Ungleichheit, desto geringer ist das Vertrauen in Parteien und Par- lamente und desto unzufriedener sind die Bürger mit der Funktionsweise der Demokratie (Anderson/Singer 2008). Fazit Verteilung hat viele Dimensionen, und Ungleichheit hat viele Nachteile. Da- runter sind nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche, wie schlechtere Gesundheitssituation, ge- ringere Bildung, eingeschränkte Gleich- berechtigung und höhere Kriminalitäts- raten, und politische, wie konzentrierte Macht und ungleiche Einfluss- und Teil- habemöglichkeiten. Letztlich bleibt es immer auch eine Be- wertungsfrage, wie viel Ungleichheit eine Gesellschaft aushält, und das Aus- maß an gesellschaftlich gewünschter Ungleichheit kann nicht präzise festge- legt werden. Aber den Menschen in Ös- terreich ist in der weit überwiegenden Mehrzahl bewusst, dass die Schieflage zu groß geworden ist. Es ist klar, in wel- che Richtung sich Österreich bewegen sollte – hin zu weniger Ungleichheit. Vermögenssteuern sind dafür ein wich- tiger Schritt. Weil Vermögen so stark auf einige wenige konzentriert ist, treffen Vermögenssteuern einen kleinen Kreis und können dennoch ergiebig sein. Da zudem gerade die hohen Vermögen stark wachsen, würden Vermögens- steuern zumindest das Aufgehen der Schere etwas einbremsen. Es ist klar, in welche Richtung sich Öster­ reich bewegen sollte – hin zu weniger Ungleichheit.