2 2 | D I E V E R T E I L U N G V O N V E R M Ö G E N I N Ö S T E R R E I C H Entkräftung gängiger Argumente leren Unternehmen gar nicht oder nur geringfügig betroffen wären. Als Bei- spiel kann die Schweiz dienen, in der die Vermögenssteuer ein beträchtliches Aufkommen erzielt, ohne dass es zu Kapitalflucht oder Massenabwanderun- gen kommt. Mythos: Kein Steuer­ aufkommen Die vermögensbezogenen Steuern brin- gen in Österreich nur deshalb wenig, weil es kaum welche gibt: Österreich ist international unter den Schlusslich- tern bei der Vermögensbesteuerung. Im Durchschnitt erwirtschafteten OECD- Länder durch vermögensbezogene Steuern 2010 mehr als das 3,5-fache von Österreich. Da Österreich zu den reichsten Staaten der Welt mit einer ho- hen Millionärsdichte zählt, würde eine Besteuerung selbstverständlich ergie- big sein. So brachte die in Österreich bis 1993 existierende Vermögenssteuer in diesem Jahr ein Aufkommen von 612 Mio. Euro. Zum Vergleich: 10 Jahre spä- ter betrugen die viel diskutierten Studi- engebühren nur rund 150 Mio. Euro. Nicht nur aufgrund des Vermögens- zuwachses seit 1993, sondern auch aufgrund von besseren Gestaltungs- möglichkeiten kann von einer neuen Vermögenssteuer ein deutlich höheres Aufkommen erwartet werden. Dieses hängt stark von der Ausgestaltung der Steuer, insbesondere der Bemessungs- grundlage und dem Steuersatz, ab. Je nach Modell gehen Schätzungen da- bei von 400 Mio. bis 1,5 Mrd. Euro aus (vgl. Meichenitsch 2006, Berka/Thoman 2011). Mythos: Mittelschichtsteuer Die hohe Konzentration von Vermögen in den Händen einiger weniger bedeu- tet, dass trotz großzügiger Ausnahmen („Freibeträge“) bedeutende Summen an Aufkommen erreicht werden können. Verfügt doch nur ein Fünftel der Haushal- te über ein Nettovermögen von mindes- tens 330.000 Euro und weniger als 5% der Haushalte über ein Nettovermögen von über einer Million Euro. Noch deutli- cher wird dies in Bezug auf Erbschaften. So wurde das Aufkommen der in Öster- reich bis 2008 wirksamen Erbschafts- steuer zu mehr als der Hälfte von nur 1,3% aller Erbschaften getragen. In zwei Drittel aller Fälle betrug die Erbschaft we- niger als 7.300 Euro. (HFCS 2010) Aus demselben Grund – der extremen Ungleichverteilung von Vermögen – Grafik 8: Verteilung zwischen hohen, mittleren und niedri­ gen Einkommen und Vermögen im Ver­ gleich in % * Mittel: 60-180% des Medianeinkommens, bzw 60-180% des Durchschnittsvermö- gens Quelle: HFCS 2010, Statistik Austria, EU-SILC Hoch Mittel Niedrig Hoch Mittel Niedrig Einkommen* Einkommen Haushalte Vermögen Haushalte Vermögen* 100 10050 500 050 50100 100 Lesehilfe: 10% der Haushalte haben 20 % der Einkommen