wien.arbeiterkammer.at D I E V E R T E I L U N G V O N V E R M Ö G E N I N Ö S T E R R E I C H | 2 3 Entkräftung gängiger Argumente Tabelle 3: Anteil der Steuern und Abgaben am Gesamtaufkommen 2010 Quelle: Eurostat können Vermögenssteuern die Mittel- schicht kaum treffen. Die Mittelschicht hat nämlich bei Vermögen, im Gegen- satz zu Einkommen, nur einen schma- len Anteil des Gesamtvermögens (siehe Grafik 8). Bei den Einkommen gehören nach der Definition von Statistik Austria (2011) nicht ganz 80% der Bevölkerung zum mittleren Einkommensbereich, über 10% zum niedrigen und 10% zum ho- hen. Die mittleren Einkommen erhalten dementsprechend nicht ganz 75% des Gesamteinkommens. Der Anteil von hohen Einkommen am Gesamteinkom- men macht etwa das Doppelte ihres Anteils an den Haushalten aus (20%), der Anteil der niedrigen Einkommen etwa die Hälfte (5%). Bei Vermögen ist die Situation allerdings in keiner Weise vergleichbar. Zunächst umfasst die Mittelschicht bei Vermögen nur ein knappes Viertel aller Haushal- te, während gute 60% der Haushalte nur geringe Vermögen besitzen. Hohe Vermögen machen über 10% aus. Die Verteilung der Vermögen zwischen diesen Gruppen ist ebenso verzerrt. Die mittlere Vermögensgruppe hat ein gutes Viertel der Vermögen, alle Haus- halte mit niedrigen Vermögen besitzen unter 10% des Gesamtvermögens. Die Haushalte mit hohen Vermögen hinge- gen halten zwei Drittel des Gesamtver- mögens. Wie die Mittelschicht definiert wird, ist natürlich nicht unumstritten. Auch die Berechnung der Mittelschicht bei Ver- mögen ist bis zur vollständigen Veröf- fentlichung der Daten des HFCS der OeNB nur näherungsweise möglich. Unter anderem muss dabei die Annah- me getroffen werden, dass das Netto- vermögen innerhalb der Dezile linear verteilt ist. Klar ist dennoch, dass unabhängig von der Berechnungsmethode bei Vermö- gen ein viel kleinerer Teil der Bevölke- rung der Mittelschicht angehört als bei Einkommen. Und dass die Gruppe der Haushalte mit mittleren und niedrigeren Vermögen einen sehr viel kleineren Teil der Gesamtvermögen besitzt. Vermö- genssteuern, die die „breite Masse“ be- lasten, bringen daher in Österreich we- nig Ertrag. Vielmehr ist der bei weitem überwiegende Teil des Aufkommens bei hohen Vermögen zu erwarten. Mythos: Belastung der Leis­ tungsträgerInnen Nicht Vermögenssteuern, sondern Ab- gaben auf Arbeit bestrafen Leistung. Reichtum zu besitzen ist keine Leis- tung, ihn sich zu erarbeiten sehr wohl. Österreich schneidet aber bei der Leis- tungsgerechtigkeit des Steuersystems im europäischen Vergleich schlecht ab. Der Beitrag des Faktors Arbeit zum Ge- samtaufkommen an Steuern und Ab- gaben war 2010, dem letzten Jahr mit verfügbaren Vergleichszahlen, in kei- nem anderen Mitgliedstaat der Europä- ischen Union so hoch wie in Österreich (siehe Tabelle 3). Leistungsferne und leistungsfreie Ein- künfte, also etwa Vermögenserträge, Österreich Platz im EU-Ranking Eurozone (Euro-17) EU-27 Steuern und Abgaben auf Arbeit 56,8% 1 53,4% 51,2% Steuern von Kapitalgesellschaften 4,8% 22 5,9% 6,4% Umweltsteuern 5,6% 24 5,8% 6,2% vermögensbezogene Steuern 2,3% 24 6,0% 6,6%