2 6 | D I E V E R T E I L U N G V O N V E R M Ö G E N I N Ö S T E R R E I C H Argumente für Vermögens steuern haben oder deren Vorfahren ein solches besitzen, vorzudringen. Menschen, die ihr Einkommen hauptsächlich aus Ar- beit beziehen, werden es aller Wahr- scheinlichkeit nach bis ans Ende ihres Arbeitslebens nicht schaffen, zu den „Reichen“ zu gehören. Selbst mit über- durchschnittlichem Arbeitseinkommen und eisernem Sparwillen ist es prak- tisch ausgeschlossen, sich ein hohes Vermögen zu erarbeiten (siehe Kasten „Durch Leistung zur Million?“). Vermögenssteuern, vor allem Erb- schafts- und Schenkungssteuern, sind daher ein zentraler Ansatzpunkt für mehr Leistungsgerechtigkeit und Chan- cengleichheit. Nur mit Vermögenssteu- ern kann man sich dem Ideal annä- hern, allen Mitgliedern der Gesellschaft die gleichen Zugangs- und Verwirkli- chungsmöglichkeiten zu bieten. Das gilt insbesondere dann, wenn die Erträge für Maßnahmen eingesetzt werden, die diese positive Wirkung noch verstär- ken, wie etwa Kinderbetreuungseinrich- tungen. 3. Verteilungsgerechtigkeit Seit Ende der 1970er Jahre gewinnen in Österreich Einkünfte aus Vermögenser- trägen, wie Mieten, Zinsen, Dividenden, oder Gewinne aus unternehmerischer Tätigkeit, an Bedeutung. Das zeigt sich etwa an der Entwicklung der Lohn- und Gewinnquoten: Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen erreichte 1978 mit rund 77% seinen Höchststand und ging seitdem sukzessive zurück. Bis 2007 war die Lohnquote unter 65% gesunken. Zwar kam es krisenbedingt 2008/2009 zu einer gewissen Erholung, ab 2010 setzte sich der langfristige Trend jedoch wieder fort und die Lohn- quote sank weiter. Während Löhne und Gehälter für die meisten Menschen nach wie vor die primäre Einkommensquelle darstellen, profitieren von Kapital- und Vermögens- erträgen nur einige wenige substan- ziell. Das wird durch die OeNB-Daten belegt, die die extreme Konzentration von Vermögen in Österreich aufzeigen. Außerdem ist es praktisch unmöglich, sich große Vermögen im Laufe eines Arbeitslebens anzusparen (siehe Kas- ten „Durch Leistung zur Million?“). Die- ser Befund wird durch die große Rolle, die Erbschaften für die Vermögensver- teilung spielen, bestätigt. Vermögende Haushalte erben wesentlich häufiger, und auch deutlich mehr als vermögens- ärmere Haushalte. Daher verlangt nicht nur die Steuerge- rechtigkeit, sondern auch die Vertei- lungsgerechtigkeit nach wirkungsvol- len Vermögenssteuern. Aufgrund der extrem konzentrierten Vermögensver- teilung ist mit angemessenen Freibe- trägen der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung von der Besteuerung ausgenommen, und dennoch können Vermögenssteuern ein beträchtliches Aufkommen erzielen. Schließlich leisten Vermögenssteuern einen wichtigen Bei- trag zu mehr Verteilungsgerechtigkeit, indem sie das weitere Aufgehen der Schere zwischen arm und reich zumin- dest verlangsamen. 4. Effizienter Einsatz von Ressourcen Die Besteuerung von Vermögen hat auch positive einzelwirtschaftliche Ef- fekte. Der Grund dafür ist, dass durch die Besteuerung Anreize gesetzt wer- den, das Vermögen möglichst effizient und gewinnbringend einzusetzen. Dies bedeutet etwa, dass ein Anreiz besteht, brach liegende Grundstücke entspre- chend ihrer Widmung zu verwenden, um einen Teil der erzielten Erträge für die Vermögenssteuer aufwenden zu können. Ähnliches gilt für leerstehende Immobilien. In diesem Sinne hat eine Vermögenssteuern leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Verteilungsgerechtig­ keit, indem sie das Aufgehen der Schere zwischen arm und reich verlangsamen.