wien.arbeiterkammer.at D I E V E R T E I L U N G V O N V E R M Ö G E N I N Ö S T E R R E I C H | 2 7 Argumente für Vermögens steuern Eine gerechte Ver­ teilung ist demokratie­ politisch wünschens­ wert, weil sie eine universelle Teilhabe der Menschen am politi­ schen Geschehen ermöglicht. Vermögensteuer also nicht nur aus ver- teilungspolitischen Gründen positive Auswirkungen, sondern auch aus Sicht der wirtschaftlichen Effizienz. Ein weiterer Grund für Vermögenssteu- ern ist das nachhaltige Wirtschafts- wachstum, das die Folge einer stabilen Entwicklung der Nachfrage ist. Denn eine Eindämmung der Ungleichheit ver- meidet die Risikoinvestments, zu denen Vermögende mit ihrer hohen Sparquote eher neigen, ebenso wie kreditfinanzier- te Befriedigung von (Grund-) Bedürf- nissen am anderen Ende der Einkom- mensskala. Stattdessen stabilisieren die positiven Absatzmöglichkeiten die Erwartungen der Unternehmen, was wiederum zu gleichmäßigen Investiti- onen führt. Eine gleichere Verteilung von Einkommen und Vermögen, zu der Vermögenssteuern beitragen, führt also dazu, dass (realwirtschaftliche) Wachs- tumspotentiale besser genützt werden und der Entstehung von Krisen stärker entgegengewirkt wird. 5. Mehr Finanzmarktstabilität Die zunehmende ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen ist eine Mitursache für die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise, unter anderem weil Vermögende einen größeren Teil ihres Portfolios in risikoreichen und spekula- tiven Anlageformen halten. Dabei profitierten insbesondere Ver- mögende von den Gewinnmöglichkei- ten und der rasanten Entwicklung auf den Finanzmärkten. Nach dem großen Crash wurden diese Vermögenswer- te durch die – mit öffentlichen Geldern finanzierte – Stabilisierung des Finanz- und Wirtschaftssystems abgesichert. Und im Gefolge der Staatsschulden- krise können aus den hohen Zinsen für einige europäische Staatsanleihen Ge- winne gemacht werden. Die Entwick- lung der vergangenen Jahre liefert also eine Fülle von Argumenten, die für einen stärkeren Beitrag von Vermögen zur Fi- nanzierung der öffentlichen Haushalte und der Bedienung von Staatsschulden sprechen. 6. Finanzierung gemein­ schaftlicher Aufgaben Die Finanzierung des sozialen Si- cherungssystems sowie öffentlicher Dienstleistungen erfolgt in Österreich in erster Linie über Steuern und Ab- gaben auf Arbeitseinkommen (Ein- kommensteuer und Sozialversiche- rungsbeiträge), Verbrauchssteuern und Unternehmenssteuern. So machen So- zialversicherungsbeiträge rund 14,5%, Einkommens- und Unternehmens- steuern 11,6% und Verbrauchssteuern 11,8% des Bruttoinlandsproduktes aus (siehe Grafik 10). Währenddessen leisten vermögens- bezogene Steuern nur einen minima- len Beitrag zur Finanzierung dieser gemein schaftlichen Aufgaben. Im Ver- hältnis zum BIP beträgt das Aufkom- men der Vermögensteuern nur 0,5%. Es besteht also ein beträchtliches Ungleichgewicht in der Verteilung der Finanzierungslast. In anderen Ländern ist diese Schieflage deutlich geringer, so tragen Vermögen- © R ob er t K ne sc hk e – Fo to lia .c om