wien.arbeiterkammer.at D I E V E R T E I L U N G V O N V E R M Ö G E N I N Ö S T E R R E I C H | 2 9 Argumente für Vermögens steuern DURCH LEISTUNG ZUR MILLION? Wie viel Vermögen kann durch Arbeit – also durch Leistung – über ein Erwerbsleben erspart werden? Vier beispielhafte Darstellungen des Le- bens je einer Person mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommen, und einer Person, die Karriere macht, gehen dieser Frage nach. Als Grundlage dienen Daten zu Brut- to- und Nettojahreseinkommen aus unselbständiger Beschäftigung der Statistik Austria und des Hauptver- bandes der Sozialversicherungsträ- ger. Die Personen sehen sich einem Sparzins von jährlich 5% gegenüber, sind über 45 Jahre ohne Unterbre- chungen Vollzeit beschäftigt, und ha- ben einen starken Sparwillen mit Ver- mögensansparquoten von 9 bis 15% (siehe Tabelle 4). Eine Person mit niedrigem Einkom- men, die ihr gesamtes Erwerbsleben an der Grenze zum unteren Einkom- mensviertel liegt, besitzt am Ende etwa 65.000 Euro. Die „Mittelschichts- Person“, die seit 1968 in der Einkom- mensmitte liegt und davon regelmäßig 11% in den Vermögensaufbau steck- te, ersparte bis zu ihrer Pensionierung immerhin knapp 140.000 Euro. Eine „Karriere-Person“, die sich aus dem unteren ins oberste Einkommensvier- tel hocharbeitete und ihre Ansparquo- te entsprechend erhöhte, schafft ein Vermögen von gut 150.000 Euro. Eine „Hocheinkommens-Person“, die über ihr gesamtes Leben an der Grenze zum oberen Einkommensviertel liegt und 15% dieses Einkommens sparte, kommt auf knapp 270.000 Euro. Nun sind tatsächliche Lebens läufe sehr unterschiedlich: Einkommen än- dern sich über die Lebensphasen, das Sparen ist in gewissen Lebens- abschnitten höher oder geringer, und die Zinsen ändern sich laufend. Doch diese Beispiele zeigen, dass unselb- ständige Beschäftigte durch Leistung alleine kaum große Vermögen anspa- ren können. Denn selbst bei eisernem Sparen, kei- nerlei Karriereunterbrechungen und sehr guten Zinsbedingungen bräuchte es einen Haushalt von zwei Personen – die sich angesichts dieser Vorgaben wohl kaum eine Familie leisten könn- ten –, um an eine halbe Million Euro Haushaltsvermögen und somit die obersten 10% heranzukommen. Selbst bei eisernem Sparen, ist es schwie­ rig, sich eine halbe Million Haushaltsver­ mögen zu erarbeiten. In Euro, zu laufenden Preisen Niedriges Einkommen Mittleres Einkommen Karriere Hohes Einkommen Nettojahreseinkommen 1968 1.400 2.300 1.400 3.400 Nettojahreseinkommen 2012 9.400 19.100 27.600 27.600 Quote der Vermögensansparung 9% 11% 9 - 15% 15% Sparzins 5% 5% 5% 5% Erspartes mit 30 2.400 5.100 2.400 9.900 Erspartes mit 40 8.900 19.200 11.800 37.200 Erspartes mit 50 22.600 48.300 36.300 93.000 Erspartes mit 65 63.700 139.600 151.000 268.700 Tabelle 4. Modelle der Vermögensansparung Quellen: Statistik Austria, Hauptverband der Sozialversicherungen, eigene Berechnungen