| fac h taGunG6 vollziehbar, wenn man die zunehmend engere Verknüpfung von gesellschaftlicher und wirtschaftli- cher Entwicklung analysiert. Aus den 1940er Jahren stammt die erste Beschreibung, was mit Planned Obsolescence konkret gemeint ist. Der Ökonom P.M. Gregory verwendet in seinem Artikel im Southern Economic Journal allerdings anstelle des geplanten Verschleißes den Begriff des zweckmäßigen Verschleißes (Gregory 1947): „Purposeful obsolescence exists whenever manufacturers produce goods with a shorter physical life than the industry is capable of producing under existing technological and cost conditions; or whenever manufacturers or sellers induce the public to replace goods which still retain substantial physical usefulness.” Anhand dieser Definition wird zweierlei deutlich: (1) Zweckmäßige Produktalterung meint einerseits alle Maßnahmen der Hersteller, die die physisch-technisch bedingten Abnutzungs- bzw. Alterungsprozesse „künstlich“ verkürzen und andererseits alle nicht-technischen Maßnahmen, die dazu führen, dass Güter vorzeitig, also vor Ablauf ihrer Lebensdauer, auch wenn sie noch funktionstüchtig sind, ersetzt werden. (2) Ziel der Maßnahmen in beiden Fällen ist es, KonsumentInnen zum Ersatzkauf trotz noch funktionierender Produkte zu motivieren. 1954 setzt den nächsten Meilenstein der amerikanische Designer Brooks Stevens, der übrigens auch als Gründer der Industrial Designers Society of America (IDSA) gilt. Er gab seinem Vortrag im Rahmen einer werbewissenschaftlichen Konferenz in Minneapolis schlicht den Titel „Planned Obsolescence“ und brachte in einem Satz auf dem Punkt, was er damit meinte: “Planned Obsolescence means instilling in the buyer the desire to own something a little newer, a little better, a little sooner than is necessary”. ( Stevens 1954 in: Adamson 2005 ) Zweck geplanter Obsoleszenz ist es also, den KonsumentInnen den Wunsch einzuflößen, etwas ein bisschen Neueres, ein bisschen Besseres ein bisschen früher als notwendig besitzen zu wollen. Damit wird unverhohlen klargestellt, dass geplante Obsoleszenz eigentlich ein Konzept zur Unterstützung von Werbung und Marketing ist. 1960 wird erste Kritik laut: In seinem Buch „The Waste Makers“ (dt. „Die große Verschwendung“, 1961) verknüpft Vance Packard anhand einer Vielzahl praktischer Beispiele Umweltproblematik mit Konsumzwang. Großer Verdienst dieses noch eher populärwissenschaftlichen Buches war, dass es auch negative Seiten der Konsumgesellschaft aufzeigte und dass sich nach und nach Wissenschaftler aus dem Blickwinkel verschiedenster Disziplinen an der Auseinandersetzung rund um geplan- te Obsoleszenz beteiligten. Übrigens: Vance Packard lobt in diesem Buch ausdrücklich das hohe Qualitätsniveau und die Verkaufsgewohnheiten der deutschen, österreichischen und schweizerischen Industrie (Packard 1961). Dennoch ist das Konzept 1968 auch in Deutschland angekommen. Chmielewicz führt den Begriff der „psychologischen Schrottreife“ ein. Er empfiehlt, Produktdesign durch Werbestrategien zu unterstüt- zen, die „neu“ mit „besser“ identifizieren, wodurch eben eine „psychologische Schrottreife“ erzeugt werden könne: