13 C. Arbeitskreis für Corporate Governance II Es ist überdies nach der Repräsentativität des Arbeitskreises zu fragen. Zu betonen ist, dass der Arbeitskreis keine Wahlen durchführt oder sich in sonstiger Weise an den demokratischen Modellen der Selbstverwaltung orientiert. Eine Abgrenzung des Kreises der Betroffenen erfolgt nicht, und die Annahmen des betroffenen Kreises kann nur implizit durch die Zusammensetzung geschlossen werden. Es werden dabei sowohl allgemeine Wirtschaftsvertreter sowie Börsenvertreter, Investorenvertreter und Unternehmensvertreter repräsentiert. Andere, durch Corporate Governance betroffene Personengruppen wie Gläubiger, Verbrauchervertreter oder Arbeitnehmer, finden sich nicht repräsentiert. Die Ausrichtung des Corporate Governance Kodex als Mittel, am Kapitalmarkt besser bzw. professioneller in Erscheinung zu treten, steht im Vordergrund. In der konkreten Zusammensetzung finden sich sechs Frauen bei 20 Männern, womit auch aus Gendergesichtspunkten keine demokratische Repräsentativität geschaffen wird. Ambivalent ist die Beteiligung staatlicher bzw. staatsnaher Personen zu beurteilen. Dies betrifft sowohl den Kapitalmarktbeauftragten, sein Büro sowie die Vertreter der FMA. Diese erwecken den Anschein von Staatlichkeit in einem informalen privaten Kreis. Von staatlicher Seite bestehen aber keinerlei dominierende bzw. kontrollierende Möglichkeiten. In der Beteiligung an privaten, zur Selbstverpflichtung konzipierten Gremien von privaten Unternehmen wirken staatliche Teilnehmer als Fremdkörper. Sie werden überdies nicht hoheitlich tätig. Sie können daher weder demokratische Legitimation einbringen, noch Selbstverpflichtungen eingehen. Die Teilnahme bestätigt vielmehr den informellen Koordinationscharakter. Aus demokratischer Sicht ist die Teilnahme aufgrund der Schein-Legitimität problematisch. Die Vorsitzführung durch einen politisch besetzten Kapitalmarktbeauftragten, der wiederum nur informal staatlich rückgebunden ist, verschärft die Situation. Es wird politische Autorität suggeriert, ohne rechtliche Normativität (und damit demokratische Legitimationsbedürftigkeit) zu gewährleisten.