7 2 Maßnahmen auf europäischer Ebene „Heute haben wir eine informelle Männerquote. Männer ernennen Männer, die dann wieder Männer als Nachfolger aussuchen“ Mikael Gustafsson, Vorsitzender des Frauenrechtsausschuss, EU-Parlament 4 Die EU-Kommission – federführend Justizkommissarin Viviane Reding – hat im Mai 2012 eine öffentliche Konsultation gestartet, um der Frage nachzugehen, mit welchen Maßnahmen dem anhaltenden Ungleichge- wicht der Geschlechter in den Leitungsorganen am besten zu begegnen ist. Hat doch der von der Kommissi- on im Vorfeld beauftragte Fortschrittsbericht 5 gezeigt, dass Frauen an der Unternehmensspitze nach wie vor die absolute Ausnahme sind und keine spürbaren Fortschritte in der Gleichstellung erzielt werden konnten. Der EU-Durchschnitt von Frauen in den Leitungsorganen der größten börsennotierten Unternehmen liegt im April 2013 bei 17 Prozent und hat sich seit Oktober 2010 (12 Prozent) um fünf Prozentpunkte verbessert, von einer Gleichstellung der Geschlechter in der obersten Führungsebene ist Europa aber nach wie vor weit ent- fernt. Der Bericht nennt jene Länder als wichtige Impulsgeber, die bereits rechtlich verbindliche Vorschriften eingeführt haben. Allein 40 Prozent der EU-weit zwischen Oktober 2010 und Jänner 2012 registrierten Ver- besserungen sind auf das Konto Frankreichs (Quote seit 2011) zu buchen. Am Ende der Konsultation und nach einem zähen und umstrittenen Ringen wurde letztlich ein Richtlinienvor- schlag vorgelegt, wie Führungspositionen in Unternehmen geschlechtergerecht zu besetzen sind. Das Kom- missionskollegium hat diesem Richtlinienvorschlag (Richtlinie 299/2012) zur Gewährleistung einer ausgewo- genen Vertretung von Frauen und Männern unter den nicht geschäftsführenden Direktoren bzw. Aufsichts- ratsmitgliedern börsennotierter Gesellschaften zugestimmt. Die fünf wichtigsten Eckpunkte des Vorschlags waren folgende: 6 ? Dem Kommissionsbeschluss zufolge sollten in den Leitungsorganen börsennotierter europäischer Unternehmen bis 2020 mindestens 40 Prozent der nicht geschäftsführenden Direktoren bzw. Auf- sichtsratsmitglieder dem unterrepräsentierten Geschlecht angehören. Börsennotierte öffentliche Un- ternehmen sollten diese Zielvorgabe bis 2018 erreichen. Die betroffenen Unternehmen wären dem- nach verpflichtet, für Board-Mitglieder ein neues Auswahlverfahren mit klaren, geschlechtsneutralen und eindeutigen Kriterien einzuführen. Bei gleicher Qualifikation sollte dann das unterrepräsentierte Geschlecht den Vorzug erhalten. ? Die Richtlinie sollte für rund 5.000 börsennotierte, europäische Unternehmen gelten, kleine und mittle- re Unternehmen 7 sowie nicht börsennotierte Gesellschaften würden ausgenommen sein. ? Als ergänzende Maßnahmen war im Richtlinienvorschlag eine sogenannte „Flexiquote“ vorgesehen: Im Wege der Selbstregulierung wären Börsenunternehmen aufgefordert, eigene Zielvorgaben für eine 4 Europäisches Parlament, Frauenquote statt verzerrter Klischees, fordert Vorsitzender des EP-Frauenausschusses, http://www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/content/20130301STO06144/html/Frauenquote-statt-Klischees- fordert-Vorsitzender-des-EP-Frauenausschusses (Stand 08.03.2013). 5 Europäische Union, Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU: Fortschrittsbericht http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/files/women-on-boards_de.pdf (abgefragt am 05.12.2013). 6 Europäische Kommission, Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Gewährleistung einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern unter den nicht geschäftsführenden Direkto- ren/Aufsichtsratsmitgliedern börsennotierter Gesellschaften und über damit zusammenhängende Maßnahmen http://eur- lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2012:0614:FIN:de:PDF (Stand 14.11.2012). 7 mit weniger als 250 Beschäftigten und einem weltweiten Jahresumsatz bis 50 Millionen Euro.