11 3.1 Gesetzliche Frauenquoten Zahlreiche europäische Staaten haben in den letzten Jahren auf nationalstaatlicher Ebene versucht, die Prä- senz von Frauen in Führungsgremien durch gesetzliche Schritte (mit oder ohne Sanktionen) zu erhöhen. Hier sind die Regelungen, Maßnahmen und Entwicklungen für die jeweiligen Länder dargestellt: Im November 2013 hat sich die Regierung in Deutschland im Koalitions- abkommen darauf geeinigt, dass Aufsichtsräte von voll mitbestimmungs- pflichtigen und börsennotierten Unternehmen bei einer Neubesetzung ab dem Jahr 2016 einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen müssen. Wird diese Quote nicht erreicht, so sollen die Sitze, die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehen sind, frei bleiben. Zusätzlich werden börsennotierte Unternehmen ab 2015 gesetzlich dazu verpflichtet, verbindliche Zielgrößen für einen höheren Frauenanteil in Vorständen und höheren Managementebenen festzulegen. 14 EU-Justizkommissarin Vivia- ne Reding sieht die Frauenquote in Deutschland als starkes Signal für Europa an, insofern das Vorhaben – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – gesetzlich umgesetzt wird. 15 In Deutschland liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der DAX-30 Unternehmen im April 2013 bei knapp 22 Prozent, Vorstände sind zu sechs Prozent weiblich. 16 In den Geschäftsführungen der Top 200 Unterneh- men sind hingegen im Jahr 2013 überhaupt nur vier Prozent Frauen vertreten, in den Aufsichtsräten liegt der Anteil der Mandatsträgerinnen bei gut 15 Prozent, die Hälfte davon sind Delegierte der ArbeitnehmerInnen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich in den Top 200 Unternehmen kaum etwas verändert. In den MDAX und SDAX-Unternehmen bleibt der Frauenanteil ebenfalls sehr niedrig. In den – zum Teil deutlich kleineren – Be- teiligungsunternehmen des Bundes sind Frauen in den Vorständen mit knapp 13 Prozent und im Aufsichtsrat mit gut 18 Prozent ebenfalls noch weit von einer geschlechterparitätischen Führung entfernt. 17 Italien hat bereits im Sommer 2011 eine Frauenquote gesetzlich verankert. Börsenorientierte Gesellschaften und Unternehmen mit staatlicher Beteiligung müssen seither 20 Prozent Frauen im Aufsichtsrat aufweisen. Das Nicht-Einhalten wird mit Strafen von bis zu einer Million Euro oder gar der Auflösung des Aufsichtsrats bedroht. 18 Mit Einführung der Frauenquote ging ein deutlicher Anstieg von fünf Prozent Frauen in Leitungsor- ganen im Jahr 2011 hin zu 13 Prozent im Jahr 2013 einher. 19 Auch Belgien hat im Jahr 2011 ein Gesetz verabschiedet, das eine Frauenquote von 30 Prozent vorschreibt. Das Gesetz gilt sowohl für Staatsbetriebe als auch für börsenorientierte Unternehmen. Um das Ziel zu errei- 13 CDU/CSU/SPD, Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (2013) 14 CDU/CSU/SPD, Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (2013) 72. 15 Die Standard, EU-Kommissarin: Deutsche Frauenquote „starkes Signal für Europa“ http://diestandard.at/1388650333850/EU-Kommissarin-Deutsche-Frauenquote-starkes-Signal-fuer- Europa?ti=SD9yTBKXi9zgtziC8-ypM2- pLa9mvQmmQQS3VhPguEm4xWPKyCOi3CiWICd0S3PbE2px8JtgP0ywASGTi6yrUPBUHY8l1QnvlZfh2mxuR-usNiI- qAjloKURO7AT09m2uk3ftodAktR27qlqnvnzl79QfOw (Stand 08.01.2014). 16 Europäische Kommission, Mitglieder des Aufsichtsrat oder Verwaltungsrat http://ec.europa.eu/justice/gender- equality/gender-decision-making/database/business-finance/supervisory-board-board-directors/index_de.htm (Stand April 2013). 17 Holst/Kirsch, Frauen sind in Vorständen großer Unternehmen in Deutschland noch immer die Ausnahme – moderat steigende Anteile in Aufsichtsräten, DIW-Wochenbericht 2014/3. 18 Die Standard, Italien führt Quote für Aufsichtsräte ein http://diestandard.at/1308679965984/Italien-fuehrt-Quote-fuer- Aufsichtsraete-ein (Stand 29.06.2011). 19 Europäische Kommission, Mitglieder des Aufsichtsrat oder Verwaltungsrat http://ec.europa.eu/justice/gender- equality/gender-decision-making/database/business-finance/supervisory-board-board-directors/index_de.htm (Stand April 2013). Gesetzliche Frauenquote Deutschland (ab 2016 geplant) 13 Italien (ab 2011) Belgien (ab 2011) Niederlande (ab 2011) Island (ab 2010) Frankreich (ab 2010) Spanien (ab 2007) Norwegen (ab 2003)