21 6 AK-Erhebung: Börsennotierte Unternehmen In den börsennotierten Unternehmen 50 liegt der Frauenanteil sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat Jahr für Jahr unter den Ergebnissen der Top 200 umsatzstärksten Unternehmen. Enttäuschend ist dieses Ergebnis besonders vor dem Hintergrund der bestehenden Berichtspflichten. Seit dem Geschäftsjahr 2010 ist eine Berichterstattung zu Frauenfördermaßnahmen im Corporate Governance Bericht vorgeschrieben. Damit müssen börsennorientierte Unternehmen offenlegen „welche Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Auf- sichtsrat, Vorstand und in leitenden Stellungen (§ 80 AktG) gesetzt werden“ (§ 243b Abs 2 Z 2 UGB). Trotz dieser gesetzlichen Grundlage kann eine ernüchternde Bilanz gezogen werden. Fast jedes neunte der österreichischen Leitunternehmen hält sich gemäß Evaluierung der AK vom Jänner 2014 nicht an das Gesetz und ignoriert die Bestimmung gänzlich. Jedes fünfte Unternehmen gibt an, dass es weder konkrete Maßnah- men noch Ziele zur Förderung von Frauen in ihrem Unternehmen setzt. Explizit ist die Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen in börsennotierten Unternehmen derzeit im Corporate Governance Kodex (C- Regel 42, Fassung Jänner 2012) und im selben Wortlaut per 2. Stabilitätsgesetz 2012 im Aktiengesetz (§ 87 Abs 2a) wie folgt geregelt: „Bei der Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern hat die Hauptversammlung auf die fachliche und persönliche Qua- lifikation der Mitglieder sowie auf eine im Hinblick auf die Struktur und das Geschäftsfeld der Gesellschaft fachlich ausgewogene Zusammensetzung des Aufsichtsrats zu achten. Des Weiteren sind Aspekte der Diver- sität des Aufsichtsrats im Hinblick auf die Vertretung beider Geschlechter und die Altersstruktur sowie bei börsennotierten Gesellschaften auch im Hinblick auf die Internationalität der Mitglieder angemessen zu be- rücksichtigen (…).“ 6.1 Ein Rückschritt: 96,9% der Vorstände sind Männer Die vorliegende aktuelle Auswertung vom Januar 2014 untersucht alle an der Wiener Börse notierten Unter- nehmen des ATX, Prime Market, Mid Market, Standard Market Auction und Standard Market Continuous mit Sitz in Österreich. Noch immer sind in mehr als einem Drittel (34,8 Prozent) weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand Frauen vertreten: Lediglich 3,1 Prozent aller Vorstandsposten sind mit Frauen besetzt, das heißt unter den insgesamt 195 Vorständen finden sich nur sechs Frauen. Weibliche Neubestellungen hat es im vergangenen Jahr keine gegeben. So sind es nach dem Wechsel von Ulrike Baumgartner-Gabitzer von der börsennotierten Verbund AG in die Austrian Power Grid AG nur mehr sechs statt sieben Frauen (vgl. Abbil- dung 4). Damit besteht die höchste Führungsebene der heimischen Paradegesellschaften zu 96,9 Prozent aus Männern, die männliche Dominanz hat sich damit im Vergleich zu 2013 noch verstärkt (+0,2 Prozent- punkte). Im Aufsichtsrat der börsennotierten Unternehmen herrscht keineswegs mehr Diversität: 69 Frauen stehen 508 Männern (2013: 69 Frauen zu 528 Männer) gegenüber, demnach sind nur 12,0 Prozent der Aufsichtsrats- mandate in Frauenhand. Ein weiteres Jahr in Folge bleibt das weibliche Potenzial fast völlig von der obersten Führungsebene (Vorstand) und ihrem Kontrollorgan (Aufsichtsrat) ausgeschlossen. In vielen börsennotierten Konzernen dominieren Frauen die Beschäftigtenstruktur: Beispielsweise sind von den mehr als 60.000 Be- schäftigten der Raiffeisen Bank International weit über zwei Drittel weiblich, der sechsköpfige Vorstand bleibt aber eine reine Männerrunde und im 15-köpfigen Aufsichtsrat ist gerade einmal eine Frau (Susanne Unger, Betriebsrätin) vertreten. Obwohl fast die Hälfte (45,5 Prozent) aller börsennotierten Unternehmen laut Firmen- buch keinen Betriebsrat im Aufsichtsrat aufweisen, werden 18 von insgesamt 69 Aufsichtsrätinnen (2013: 23 50 Wiener Börse (Stand: 2. Jänner 2014)