20 Kriegsfall nicht die gleiche Bereitschaft zu erwarten, für das Land zu sterben bzw. im Militär zu dienen. Daher seien auch gehobene Beamtenpositionen nur an StaatsbürgerInnen zu vergeben. Dieses auf der Logik des westfälischen Staatensystems beruhende Argument muss sich nicht nur den geänderten internationalen Rahmenbedingungen stellen, auch gibt es keinerlei empirischen Beweis für die überragende Loyalität von StaatsbürgerInnen im Öffentlichen Dienst bzw. im Kriegsfall, im Gegenteil gilt z.B. die Französische Fremdenlegion, die per definitionem keine französischen Staatsbürger aufnimmt, als besonders erfolgreiche militärische Einheit. Neben diesem auf eine Krisensituation hin bezogenem Argument wird unter Loyalität in einem alltäglichen Sinn auch eine Fokussierung des Alltags und der Lebensperspektiven auf ein Land verstanden. Diesem Verständnis nach drückt sich Loyalität z.B. darin aus, eher für inländische Krisen und Katastrophenopfer zu spenden als für ausländische oder bei Sportwettbewerben inländische Verbände zu unterstützen. Diese Denkfigur knüpft eng an das zuvor diskutierte Verständnis des Staates als Solidargemeinschaft an und enthält sowohl ein Element der Solidarität als auch der Ausgrenzung. Staatsbürgerschaft steht in der Praxis hier oft als Symbol für geographische und soziale Nähe und dem Gefühl der Zugehörigkeit. In einer zunehmend verflochtenen Welt stößt eine derartige symbolische Aufladung von Staatszugehörigkeit jedoch an ihre Grenzen – für jemanden, dessen Familie zum Teil im Ausland lebt, ist es klar, dass er/sie mit seinen/ihren Ressourcen eher die Familienmitglieder im Ausland unterstützen möchte als die Solidargemeinschaft der StaatsbürgerInnen. ? Doppeltes Wahlrecht Ein weiteres Argument gegen die Mehrfachstaatsangehörigkeit ist die mögliche Verletzung des Prinzips „Eine Person, eine Stimme“. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Doppelstaatsangehörige tatsächlich in mehreren Ländern zur Wahl gehen können. Ein systematisches Problem wird dies jedoch nur dort, wo die verschiedenen politischen Systeme miteinander verschränkt sind und keine Maßnahmen getroffen wurden, um eine doppelte Stimmabgabe zu verhindern. Dies ist z. B. bei den Wahlen zum Europaparlament der Fall, da hier die Wählerregister nicht abgeglichen werden. Ebenso haben UnionsbürgerInnen, die in zwei oder mehreren EU-Ländern an den nationalen Parlamentswahlen teilnehmen, ein stärkeres Gewicht bei der Bestimmung der Zusammensetzung des Rates, da sie ja indirekt die Zusammensetzung der Regierung in zwei Staaten mitbestimmen. Als Lösung für diese Probleme bieten sich einerseits gemeinsame Wahlregister und andererseits die „ruhende doppelte Staatsbürgerschaft“ an, die nur im Land des aktuellen Hauptwohnsitzes ein Stimmrecht zulässt. Die dazu nötigen technischen Maßnahmen sind zurzeit jedoch nicht vorhanden. Bei doppeltem Wahlrecht in Staaten, die keiner Gemeinschaft angehören, stellt sich dieses Problem in gemilderter Form. Zusammenfassend zeigt sich, dass die Argumente gegen Mehrfachstaatsangehörigkeit entweder technischer Natur sind oder an einem sehr traditionellen Loyalitätsbegriff anknüpfen. Allerdings sind auch die Pro-Argumente dort problematisch, wo der Zugang zur Staatsbürgerschaft vor allem identitätsbezogen argumentiert wird, denn dieses Argument legitimiert indirekt auch eine identitätspolitisch argumentierte Ablehnung von Mehrfachstaatsangehörigkeiten. Gesamt gesehen, überwiegen die positiven Auswirkungen der Gewährung einer Mehrfachstaatsangehörigkeit, sowohl im Sinn der Mobilitätsförderung wie auch der Integration. Auch die konfliktfreie Praxis im Nachbarland